Kategorie: Fotoblog

Lightroom CC vs. Lightroom CC Classic ein Vergleich

Bisher war es so einfach, wenn man Bilder professionell und tiefgreifend bearbeiten und verarbeiten möchte, wenn man Bildinhalte gezielt manipulieren und verändern möchte und wenn man eine Schnittstelle zwischen Grafik und Fotografie brauchte, brauchte man Photoshop. Photoshop bietet mehr Werkzeuge, feinere Bearbeitungsmöglichkeiten und gerade für professionelle Portraits oder auch Beautyretuschen, deutlich bessere und umfassendere Möglichkeiten als Lightroom das kann.

Für alle, die sich mehr um die Verwaltung Ihrer Bilder und die „einfache“ Bearbeitung interessierten. Für Korrekturen, Dunkelkammerarbeit, leichte Bildretuschen, Fehlerkorrekturen, Farb-, Kontrast-, Helligkeitsanpassungen, etc. interessierten, also im Grunde für alle Anfänger, Amateure, Hobbyfotografen und auch für eine Workflowerleichterung und Verbesserung bei professionellen Fotografen – ich selbst mache ca. 90% meiner gesamten Bildbearbeitung über Lightroom – war Lightroom die perfekte Lösung!

Doch seit neuestem gibt es zwei unterschiedliche Versionen von Lightroom, die professionelle Lightroom Variante (Lightroom CC Classic) und die neue cloudbasierte Lösung Lightroom CC. Beide Varianten sind nur noch über ein von Adobe ins Leben gerufene Abo-Verfahren verfügbar, nun kann man sich generell über dieses System streiten, doch darüber soll es in diesem Beitrag gar nicht gehen. Es soll ein Vergleich der Möglichkeiten und Leistungen dieser Programmvarianten sein.

Cloud oder lokal gespeichert

Ein wichtiger Unterschied ist der Speicherort der Bilder, denn während die klassische Lightroom Variante die Bilder grundsätzlich lokal speicherte und zwar so, dass man diese jederzeit auf der Festplatte wiederfand, bietet die neue Variante nur noch das Speichern in der Cloud an. Die lokal auf dem Rechner abgelegten Bilder sind versteckt und können nicht ohne weiteres im Explorer oder Finder gefunden werden. Für alle, die sich irgendwann einmal aus dem Abodienst verabschieden wollen, stellt sich dann zwangsläufig die Frage, ob sie ihre Bilder jemals wieder vollständlig vom Adobe Server entfernen und wiederbekommen können.

Wir leben im Jahrzehnt der Cloudspeicher, es ist momentan modern, schick und anscheinend unbedingt notwendig alle seine Daten an einen Drittanbieter zu übertragen, damit man jederzeit und überall Zugriff darauf hat, die Frage ob einem das gefällt oder nicht, möge jeder für sich beantworten.

Aussehen, Bedienung, Benennung

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Bereits auf den ersten Blick sieht man die deutliche Reduzierung der Inhalte, das Aussehen hat sich komplett verändert und orientiert sich bei der neuen Lightroom CC Version eher an dem Aussehen mobiler Geräte (Smartphon, Tablet, etc.), währen die Bibliothek der klassischen Variante alle wichtigen Informationen zu den Bildern bereits enthält, Stichworte, Histogram, Ad hoc Entwicklung und alle Metadaten des Bildes, zeigt die „Meine Fotos“ Ansicht der neue Version lediglich die Bilder. Stichworte, Histogram und Co. können immer nur über die Seitenleiste eingeblendet werden.

Das allein wäre allerdings noch keine wirkliche Schwäche, jedoch unterscheiden sich die Bezeichnungen der beiden Varianten erheblich, denn wer in der neuen Variante die Begriffe Sammlungen oder Ordner sucht, der sucht vergeblich! Es gibt lediglich meine Bilder und die Alben! Auch bietet die Lightroom CC Variante nur eine Übersicht „Meine Fotos“, es kann nicht mit unterschiedlichen Katalogen gearbeitet werden.

Schon allein hier hängt es ein wenig, bekomme ich doch beim großen Abo sowohl Lightroom CC für meine mobilen Geräte, als auch Lightroom CC Classic für meine Desktopanwendungen, doch wie soll hier ein reibungsloser Übergang und ein problemloses hin- und herschieben der Bilddaten geschehen, wenn nicht einmal die einfache Verwaltungsbasis identisch benannt und auch genutzt wird?!

Ich würde es ja vielleicht sogar praktisch finden, wenn ich nach einem Fotojob im Hotel sitze, meine Bilder am Tablet vorsortiere, mit Stichworten versehe, in einer Sammlung zuordne und meinen Auswahl-Workflow schon einmal unterwegs mobil erledigen und über die Cloud synchronisieren kann. Im heimischen Büro und Hauptrechner angekommen, dann nur noch auf einen Knopf drücke und meine Daten in der Lightroom CC Classiv Version vorbereitet und zugeordnet auftauchen. Doch so wie es aussieht, ist ein paralleles Arbeiten mit beiden Programmen von Adobe gar nicht wirklich vorgesehen.

Auch fällt auf, dass es in der neuen Version gar keine Reiter zum Thema, Karte, Buch, Drucken und Web mehr gibt. Zugegeben die Reiter Karte, Buch und Web sind auch eher uninteressant, selbst für den professionellen Fotografen eher ein „nice to have“, aber der Druckbereich ist schon ein sinnvoller Zusatz, bietet er neben den reinen Ausdruck auf einem Drucker, doch auch die Möglichkeit über Druckvorlagen Fotocollagen zu erstellen oder Bilder auf einem Fotobogen auszurichten und diesen denn als druckbare und verschickbare jpg-Datei auszugeben.

Auch die Filterfunktionen haben gelitten und wurden zusammenstrichen. Zwar gibt es immernoch die Möglichkeit nach „ausgewählten“ und „abgelehnten“ Markierungen, nach Sternen oder Stichworten zu filtern, aber Die Metadatenfilter wurden vollständig herausgenommen und auch eine farbliche Markierung der Bilder ist nicht mehr vorgesehen.

 

Bilder importieren und exportieren

Aber nicht nur das Aussehen und ein paar grundlegende Funktionen haben sich geändert, auch der Bildimport ist vollkommen anders und längst nicht mehr so komfortabel und bietet deutlich weniger Möglichkeiten! Das effiziente an der Classic Version ist und war, dass man beim Import verschiedene Dinge automatisch erledigen lassen konnte.

Die Funktion „während des Importvorgangs anwenden“ bietet die Möglichkeit, Stichtwörter bereits beim Bildimport zu setzen, Dateien umzubenennen, Metadaten anzupassen und beispielsweise Copyrightinformationen direkt in die Bildmetadaten zu schreiben. Außerdem bietet die Classic Variante die Möglichkeit den Speicherordner und auch die Unterordner selbst anzusteuern und je nach Import zu verändern. So können beispielsweise Bilder direkt auf externen Festplatten gespeichert werden und auch das erstellen einer Sicherheitskopie auf einem anderen Laufwerk ist in der Classic Variante kein Problem.

Diese Funktionen gibt es bei der Lightroom CC Variante überhaupt nicht mehr! Eine Zuordnung von Stichworten muss aufwendig nach dem Import geschehen und macht mehr Arbeit und auch die Metadatenanpassungen müssen im Nachgang unter „Informationen“ eingegeben werden. Die Übersichtlichkeit der Bibliothek ist in der neuen Funktion dahin!

Das Aufklappen der Seitenmenüs, um zu den Stichwörtern oder Metadaten (Informationen) zu gelangen macht die Arbeit mit Lightroom CC deutlich umständlicher und langsamer! Auch werden längst nicht so viele Metadaten ausgeworfen und angezeigt, oder können bearbeitet werden. Es fehlt auch hier an Effizienz, die in Lightroom CC Classic gegebene Möglichkeit Stichwortgruppen thematisch anzulegen, um diese dann schneller zu den Bildern zuordnen zu können, fehlt in der neuen Version ebenfalls.

Auch die in der Lightroom CC Classic integrierten Veröffentlichungsdienste und Schnittstellen zu anderen Anbietern, wie facebook, Adobe Photostock oder auch der Export von Bildern über einen FTP-Upload bei anderen Anbietern wie beispielsweise der PicDrop-Box sind so nicht vorgesehen. Lediglich über den Exportbereich können Bilder auch auf facebook hochgeladen werden.

Die Exportmöglichkeiten haben bei der Lightroom CC Version ebenfalls sehr gelitten und wurden auf ein Mindestmaß zusammengestrichen, wer seine Bearbeitungen nicht ins jpg, sondern in Dateiformate wie TIFF oder PSD exportieren will sucht vergeblich. Auch die Veränderung von Größen oder Auflösungen kann nur in sehr geringem Maße beeinflußt werden. Farbraumveränderungen in AdobeRGB, CMYK oder die Anpassung an ICC Profile für den professionellen Druck ist ebenfalls nicht möglich.

Bildentwicklung

Selbst bei der zentral wichtigen Bildentwicklung wurde gespart und verändert. Die beiden Variaten des Programms arbeiten mit einem vollkommen unterschiedlichen Aufbau, einer anderen Reihenfolge in der Regleranordnung und auch die Bezeichnungen sind nicht einheitlich, was eine softwareübergreifende Workflowgestaltung extrem erschwert!

Im ersten Augenblick wirkt es zwar so, als wäre lediglich die Reihenfolge und die Bezeichnung anders, doch bei näherem Hinsehen fällt auf, dass Lightroom CC keine Gradationskurve für die Bearbeitung der Kontrastwerte bietet, eine Bildumkehr von Negativbildern in Positive ist ebenfalls nicht möglich. Im weiteren Verlauf fehlt auch die Teiltönungsmöglichkeit, die beispielsweise eine Farbüberlagerug oder bei Schwarzweißaufnahmen eine Sepiatönung ermöglicht. Auch die Kamerakalibrierungsmöglichkeit fehlt bei der Lightroom CC Variante.

Die Feinheitskorrekturen wie beispielsweise der Kopierstempel, der Reparaturstempel, der Verlaufsfilter, der Radialfilter und auch der Korrekturpinsel sind in der Lightroom CC Variante ebenfalls enthalten. Allerdings sind auch hier viele Feinheiten deutlich reduziert und vereinfacht worden! Das Abspeichern von individuellen Korrektureinstellungen oder auch die voreingestellten Korekturen von Lightroom CC Classic, z.B. Abwedeln, Nachbelichten, Zähne bleichen oder Iriskorrekturen ist in der neuen Variante Lightroom CC ebenfalls nicht möglich.

Die neue Variante bietet auch keine Protokollübersicht der einzelnen Arbeitsschritte oder auch die Möglichkeit Schnappschüsse anzufertigen, um Zwischenschritte zu sichern fehlt bei die neue Version vollkommen!

Zwar kann zwischen der Originaldatei und der Bearbeiteten hin- und hergeschaltet werden, ein direktes nebeneinander legen der vorher nachher Varianten ist in Lightroom CC ebenfalls nicht mehr möglich.

Workflowgestaltung und Effizienz

Die Gestaltung der neuen Variante ist schlanker, bietet weniger Komfort und macht die Bearbeitung im professionellen oder auch im Amateuerbereich deutlich ineffizienter. Eine gezielte Workflowgetaltung, eine versionsübergreifende Arbeit oder gar ein Umstieg von der gewohnten Lightroom Classic Variante auf die neue Lightroom CC Variante ist damit nahezu unmöglich.

Fazit

Das es kein Lightroom 7 mehr auf Kaufbasis geben soll, hatte Adobe lange angekündigt, doch die neue Variante bietet lediglich eine Art Lightroom Elements, allerdings teuer verkauft wird. Bedenkt man, dass Lightroom „Classic“ bei deutlich höherem Funktionsumfang immer für etwa 120,- Euro angeboten wurde und das die neue Lightroom CC Abovariante bei geringerem Funktionsumfang nun etwa 140,- Euro pro Jahr kosten wird.

Für einfache Bildbearbeitungen im rein privaten Bereich und für alle, die gerne ihre Smartphonebilder in Lightroom bearbeiten und verwalten nutzen möchten mag die neue Lightroom CC Variante ausreichend erscheinen. Doch nach meiner Meinung ist diese Variante ihr Geld und die Unterwerfung in einen Abodienst nicht wert.

Berufswunsch: Fotograf

Der Beruf des Fotografen des Fotografen ist vielseitig und spannend, man trifft immer wieder auf neue Menschen, arbeitet in einer kreativen Umgebung und kann sich dabei frei ausleben, doch genauso vielseitig, wie der Beruf ist, genauso vielseitig sind die Möglichkeiten in diesem Beruf zu arbeiten.


Die Ausbildung zum Fotografen

In Deutschland ist der Fotograf ein handwerklicher Lehrberuf, die Bezeichnung ist somit geschützt! Die Regelausbildungszeit dauert 3 Jahre. Wer sich also in Deutschland Fotograf nennen möchte, muss sich mit den Regeln der Handwerkskammern auseinandersetzen, zu fotografieren und sich einfach Fotograf zu nennen, verstößt gegen die Handwerksordnung (HwO) und kann Bußgelder nach sich ziehen.

Die Inhalte der Fotografen Ausbildung werden in der Ausbildungsordnung geregelt, nach der Ausbildung zum Fotografen kann der Auszubildende eine Weiterbildung zum Fotomeister machen.


Alternative Ausbildungen

Die Novellierung der Handwerksordnung hatte eine Vielzahl neuer Ausbildungsangebote im fotografischen Bereich zur Folge, Abschlüsse als Diplom Foto-Designer und Fotoassistent, o.ä. Bezeichnungen, werden von unterschiedlichen privaten Bildungsträgern angeboten.

DOCH VORSICHT! Für die Einordnung als Handwerksfotograf ist nicht die geführte Bezeichnung entscheidend! Entscheidend ist das ausgeübte Tätigkeitsfeld. Auch ein Foto-Designer muss sich bei der Handwerkskammer eintragen lassen, wenn er handwerklich tätig ist.


Mögliche Berufsfelder

Die meisten von Euch kennen die klassischen Studiofotografen, das Fotostudio an der Straße, wo man hingeht und Familienportraits, Bewerbungsbilder, Passbilder und andere Studioaufnahmen machen zu lassen. Häufig bietet der Studiofotograf auch Außentermine an, fotografiert Hochzeiten oder andere Veranstaltungen. Hier finden auch die meisten Ausbildungen zum Fotografen statt und hier werden auch immer mal wieder Praktikanten genommen, um ihnen den Alltag eines Fotografen zu zeigen. Der Vorteil eines Studios ist, dass es feste Arbeitszeiten und Öffnungszeiten hat, so dass man immer auch etwas zu tun gibt.

Neben diesen Studios gibt es auch noch industrielle Fotostudios, die meist von der Öffentlichkeit gar nicht wahrgenommen werden. Sie haben keine Laufkundschaft, fotografieren beispielsweise Maschinen, Produkte oder auch Essen. Diese Studios bieten ebenfalls die Möglichkeit eine Ausbildung und häufig auch Praktikumsplätze, sind aber nicht immer leicht zu finden. Allerdings liegt hier gerade der Vorteil, denn hier kommen auch nicht so viele Bewerbungen für Ausbildungsplätze an.

Ein weiterer Bereich, den viele kennen dürften sind die Modefotografen, spätestens wenn man einmal im Fernsehen eine Sendung wie „Germanys next Topmodel“ oder ähnliches gesehen hat, kennt man diesen Berufszweig. Zweifellos ist dieser Bereich interessant und spannend, man reist viel, übernachtet in unterschiedlichsten Ländern und kommt viel rum. Doch die meisten dieser Fotografen sind freiberuflich tätig, sie haben vielleicht ein Studio, sind aber nicht immer vor Ort und können daher auch nur selten tatsächlich Fotografen ausbilden.

Der Bildjournalist ist ebenfalls ein Berufszweig in der Fotografie, den viele von Euch kennen. Er liefert die Bilder für Zeitungen, Zeitschriften und Internetportale. Den Bildjournalisten sieht man auch auf größeren Veranstaltungen und auch auf Konzerten. Auch hier sind die meisten Bildjournalisten als freiberufliche Fotografen unterwegs und arbeiten auf eigene Rechnung, wie es so schön heißt. Sie sind also nicht bei einer Zeitung angestellt und beziehen kein festes, regelmäßiges Gehalt, sondern werden für die Story und die Bilder die sie liefern bezahlt.

Auch der Tier- und Naturfotograf gehört in diese Kategorie der Fotografen, bei ihm kommt allerdings noch erschwerend hinzu, dass er häufig alleine unterwegs ist, um Tiere nicht zu verschrecken. Er verbringt viel Zeit damit Motive zu suchen oder auf sie zu warten. Auch in diesem Bereich wir eher nicht ausgebildet.

Im Bereich des Bildjournalismus finden in der Regel keine Ausbildungen statt, es gibt jedoch einige private Akademien, die eine solche Ausbildung zum Bildjournalisten anbieten, denn für diese Berufsgruppe ist es nicht nur wichtig gute Bilder zu machen und die Kamera zu beherrschen, sondern auch Texte schreiben, Storys finden und vermarkten gehört ebenfalls zu diesem Beruf und eine klassische Berufsausbildung des Handwerks werden diese Inhalte überhaupt nicht vermittelt oder angesprochen, da sie nichts mit der klassischen Fotografenausbildung zu tun haben.

Einige Unternehmen haben sich auf den Bereich der Produktfotografie spezialisiert, große Werbeagenturen oder Agenturen, die vor allem Fotografien für online Shops, Kataloge o.ä. herstellen, ein Beispiel wäre hier Wiethe Objektiv, einer der großen Anbieter für Produktfotografien in Deutschland. Diese Unternehmen beschäftigen Fotografen, bilden jedoch in der Regel auch keine aus, weil sie nicht die Vorraussetzungen für eine Ausbildung bieten und keine handwerklich organisierten Betriebe sind.

Die Bereiche in denen Foto)grafen arbeiten sind vielseitig, neben den geschilderten Bereichen gibt es beispielsweise auch noch Fotografen in folgenden Sparten:

  • Architekturfotografien (auch Innenarchitektur) häufig aber auch von Bildjournalisten gemacht, die für Verlage von Kalendern und Fotobüchern eine Fotostrecke erstellen.
  • Museumsfotografien (Fotografien von Artefakten zur Katalogisierung)
  • Medizinische Fotografien (z.B. zur Dokumentation von Operationen o.a.)
  • Kriminalfotografie (in Zusammenarbeit mit der Polizei, Tatortfotografie)
  • Stockfotografie (Arbeiten werden ohne Auftraggeber erstellt und bei speziellen Bildagenturen angeboten, z.B. AdobePhotostock)
  • Theaterfotografie (Erstellen von Aufnahmen aus den Auftritten, General- und Kostümproben für die Öffentlichkeitsarbeit, Plakate, etc.)
  • Fotokünstle

Arbeiten als Fotograf

Der Beruf des Fotografen ist in Deutschland in erster Linie eine Domäne des Handwerks, lange Zeit war es kaum möglich in diesen Beruf als Quereinsteiger zu Arbeiten.

Als vor einigen Jahren jedoch das Hanfwerksrecht novelliert wurde, fiel die Meisterpflicht und auch die Ausbildungspflicht für Fotografen und nun kann sich jeder in Deutschland als Fotograf selbständig machen oder auch als angestellter Fotograf arbeiten, sofern er das notwendige Wissen und die technischen Möglichkeiten hat.


Berufsausübung ohne Ausbildung

Ursprünglich war die Tätigkeit als selbstständiger Fotograf nur mit abgeschlossener Meisterprüfung möglich. Im Jahr 2004 wurde die Handwerksordnung allerdings Novelliert und seitdem gehört der Beruf des Fotografen laut Anlage B der Handwerksordnung zu den zulassungsfreien Berufen (§ 18 Abs. 2).

Berufsfotografie ist seitdem auch für Autodidakten ohne Meisterprüfung erlaubt! Im Grunde kann sich somit jeder als Fotograf selbständig machen  und sich als Fotograf bezeichnen! Ohne Gesellenabschluss dürfen diese jedoch keine neuen Fotografen ausbilden (HwO).

Es wurde allerdings nur die Ausbildungs- und Meisterpflicht aufgehoben! Eine Eintragung in die Handwerksrolle (Anlage B) ist für handwerkliche Fotografie  (Hochzeiten, Portraits, Architektur, Produkte) noch immer vorgeschrieben. Ob Sie sich eintragen lassen müssen, erfragen Sie am besten bei Ihrer zuständigen Handwerkskammer!

Für viele Fotografen war diese Veränderung ein ziemlicher Schock und in vielen Bereichen hat sie auch zu einem regelrechten Verdrängungswettbewerb geführt, denn es gab plötzlich einen Wettbewerb zwischen Hauptberuflichen Fotografen und nebenberuflichen Hobbyfotografen, die auf Grund ihres selbst angeeigneten Wissens und auf Grund der Tatsache, dass sie nicht zwingend auf den Verdienst als Fotografn angewiesen sind, mit ganz anderen Preisen kalkulieren konnten.

Doch Vorsicht, nur weil jetzt jeder in Deutschland als Fotograf arbeiten darf, heißt das nicht, dass es keine Regeln zu beachten gibt oder das die Handwerkskammerpflicht aufgehoben wurde. In Deutschland ist die Berufsbezeichnung „Fotograf“ immer noch ein geschützter Handwerksbegriff und die klassischen Tätigkeiten der Auftragsfotografien (z.B. Passbilder, Bewerbungsbilder, Portraitbilder, Hochzeitsfotografien, etc.) unterliegen immer noch der Handwerkskammerpflicht. Ihr müsst Euch also eventuell bei der Handwerkskammer anmelden, wenn ihr diese Tätigkeiten ausübend wollt, sonst drohen Euch Strafzahlungen.


Selbständiger Handwerker, Angestellter, Freiberufler oder Künstler?

Grundsätzlich gibt es diese vier Unterscheidungen für Fotografen, die einzelnen Tätigkeitsfelder gehören immer in eine dieser Kategorien.

Ein selbständiger Handwerksfotograf ist ein Fotograf, der in seiner Art der Fotografie Vorgaben (z.B. bei Bewerbungsbildern und Portraits), Gesetzen (z.B. bei Passbildern) oder genauen Vorstellungen seiner Kunden unterliegt. Er kann nicht frei arbeiten, sondern muss sich an die genauen Vorgaben seines Auftrags halten, die Fotografien sind nach Art und Aussehen definiert, daher unterliegen viele Fotografen auch heute noch den Regeln der Handwerkskammern und müssen dort Mitgliedsbeiträge entrichten. Als Selbständiger Fotograf bedeutet das, dass man selbst für seine Krankenversicherung (Pflichtversicherung in Deutschland!) und seine Rentenversicherung aufkommen muss, die Kosten hierfür trägt man vollständig alleine und muss diese über seine Aufträge verdienen. Handwerksfotografen sind berufsgenossenschaftspflichtig, das heißt ihr müsst neben den Beiträgen für die Handwerkskammer, auch Beiträge an die für Euch zuständige Berufsgenossenschaft zahlen, damit ihr in Eurer Tätigkeit auch unfallversichert seid.

Als angestellter Fotograf kann Euch die Eingruppierung Eures Arbeitgebers im Grunde egal sein! Ihr müsst nicht einmal offiziell als Fotograf eingestellt sein und könnt trotzdem als Fotograf arbeiten, häufig werden Verträge als Fotodesigner oder Fotoassisten oder als Angestellter im Bereich Marketing und Öffentlichkeitsarbeit geschlossen, um keine Schwierigkeiten mit der Handwerkskammer zu bekommen oder um das Tätigkeitsfeld etwas offener und flexibler zu fassen.

Ihr seit Angestellte eines Unternehmens, bezieht ein regelmäßiges Gehalt und seid somit über Euren Arbeitgeber für Eure Tätigkeit unfallversichert und sofern Eure Anstellung sozialversicherungspflichtig ist, seid ihr auch gesetzlich kranken- und rentenversichert.

Künstler unterliegen hingegen den Regeln der Künstlersozialkasse, um hier Mitglied zu werden muss man sich allerdings zunächst einmal mit den Statuten der KSK vertraut machen und schauen, wann man denn als Fotograf auch als Künstler eingestuft wird, ein wichtiger Aspekt ist, dass man eben keine handwerklichen, fotografischen Tätigkeiten ausübt! Der Vorteil einer Mitgliedschaft in der KSK liegt vor allem in der Kostenersparnis bei der Kranken- und Rentenversicherung. Der Künstler wird einem Angestellten gleichgestellt, er ist Mitglied der gesetzlichen Renten- und Krankenversicherung und trägt genau die gleichen Anteile an den Kosten, wie ein Angestellter. Das stellt eine immense finanzielle Erleichtung gegenüber einem selbständigen Handwerksfotografen dar. Die Unfallversicherung ist allerdings nicht Teil der Künstlersozialkasse, hier solltet ihr Euch privat absichern, denn ein Pflicht für eine Berufsgenossenschaft gibt es für Künstler nicht. Im Falle eines Arbeitsunfalls seit ihr also nicht abgesichert.

Die Tätigkeiten, die nicht in die Regeln der Handwerkskammern fallen (z.B. Bildjournalisten, Werbefotografen, Künstler, etc.) gehören zu den freien Berufen. Freiberufliche Fotografen haben bei der Auswahl ihrer Auftraggeber, der Art und Weise wie sie ihre Bilder machen und bei der gestalterischen Umsetzung dieser Bilder die freie Wahl.

Oftmals könnt Ihr als freiberuflicher Fotograf auch eine Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse beantragen, nimmt diese Euch auf, so gelten die selben Regeln, wir für Künstler.

Doch sofern Euch die Künstlersozialkasse nicht auf nimmt, seit ihm mehr oder weniger einem handwerklichen Fotografen gleichgestellt, zwar unterliegt ihr nicht der Handwerkskammerpflicht, aber ihr müsst vollständig privat für Eure Krankenversicherung und Rentenversicherung sorgen! Auch von der Berufsgenossenschaft seit ihr nicht zwingend befreit, zumal eine Befreiung von der Pflicht Euch nicht von den Kosten einer Unfallversicherung befreit, denn Ihr solltet Euch so oder so gegen Arbeitsunfälle versichern. Die monatlichen Kosten eines freiberuflichen Fotografen sind also in der Regel nicht viel geringer, als die eines selbständigen Handwerkers, lediglich sein Arbeitsfeld ist ein anderes.

Falls Ihr langfristig plant und ein Studio mit Angestellten betreiben wollt, müsst ihr Euch noch über die genauen Regeln für Gewerbetreibende auseinandersetzen, denn sobald Angestellte und eigene Geschäftsräume dazukommen, geltet ihr als gewerbetreibende Unternehmer.


Angestellter, Selbständiger oder Freiberufler?

Die Regelarbeit als Fotograf ist heute eine freiberufliche oder selbständige Tätigkeit, das Angestelltenverhältnis gibt es nur noch selten, manche Museen und Theater bieten noch Arbeitsplätze für Angestellte Fotografen, meist bieten jedoch nur noch Fotostudios und manche industriellen Unternehmen Anstellungsverhältnisse an, die dann häufig auf Teilzeitbasis sind und bei eine Bezahlung knapp über dem Mindestlohn liegen. Es gibt natürlich Ausnahmen, die diese Regel bestätigen, doch die Regel bleibt langfristig die Selbständigkeit

Wer also in diesem Beruf tatsächlich arbeiten möchte, sollte sich von Anfang an klar darüber sein, dass seine Tätigkeit in der Selbständigkeit mündet. Die Aussicht darauf keinen Chef zu haben und nur für sich selbst Verantwortung zu tragen, erscheint vielen zunächst als große Verlockung:

  • sein eigener Chef sein
  • frei haben können, wann immer mal will
  • selbstbestimmt arbeiten
  • keine nervigen Gespräche mit Vorgesetzten

Doch man sollte auch nicht vergessen, das Selbständigkeit in der Regel mehr Arbeit bedeutet, als ein Angestelltenverhältnis. Es gibt keine geregelten Arbeitszeiten und eine hohe Selbstbeherrschung, denn frei haben zu können, wann man will, darf nicht dazu führen dauerhaft frei zu haben. Freizeit bedeutet in der Selbständigkeit, keine Bezahlung. Es gibt keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und auch keine vom Arbeitgeber bezahlten Urlaubstage und ein Angestelltenverhältnis bietet monatlich mehr Planbarkeit und Sicherheit.


Pressefotografen und Künstler

Anders als die Handwerksfotografen unterliegen die Bildjournalisten und die künstlerischen Fotografen nicht der Handwerksordnung!

Sie sind in der Ausübung ihrer jeweiligen Berufe frei und können frei über Inhalte Ihrer Bilder entscheiden, ohne sich an handwerkliche Regeln, wie beispielsweise den klaren Regeln eines Passfotos oder eines Portraitbildes halten.

Ansprechpartner für künstlerisch tätige Fotografen ist die Künstlersozialkasse:

Künstlersozialkasse
Gökerstraße 14
26384 Wilhelmshaven

Service-Center: 04421 9734051500


Berufsgenossenschaftspflicht für Fotografen

Wer sich in Deutschland als Fotograf selbständig machen möchte, unterliegt der Pflichtmitgliedschaft der für Ihn zuständigen Berufsgenossenschaft (BG). Anders als in kaufmännischen Berufen in denen die Mitgliedschaft für Einzelunternehmer freiwillig ist, muss der Fotograf einer Berufsgenossenschaft beitreten.

Hier spielt es auch keine Rolle, ob die Tätigkeit handwerklich oder künstlerisch ausgeübt wird! Die ausgeübte Tätigkeit bestimmt lediglich die Zuordnung der zuständigen Berufsgenossenschaft.

Welche Berufsgenossenschaft für Sie zuständig ist, können Sie beim Dachverband der gesetzlichen Unfallkassen erfragen.

 

Fotografie und Bildmanipulation sind untrennbar miteinander verbunden

In meinen Fotokursen und auch in Gesprächen mit anderen Fotografen spielt das Thema Bildbearbeitung und Bildmanipulation natürlich immer wieder eine Rolle. Dabei stehen viele der Bildbearbeitung eher skeptisch gegenüber. Dabei gehört die Bildbearbeitung bereits von Anfang an zur Fotografie.


Fotografie ist nie frei von Manipulation


Bereits durch die Entscheidung über den festzuhaltenden Moment und die Wahl des Bildausschnitts wird das Bild „manipuliert“, denn der Fotograf entscheidet was überhaupt auf ´zu sehen sein wird. Eine weitere Manipulation wird anschließend durch die Festlegung von Fokuspunkt, Blende, Belichtungszeit und weiteren technischen EInstellungen der Kamera vorgenommen. Die Wahl der Kamera, der Objektive, des Films, des Fotopapiers, der Chemikalien, unglaublich viele Faktoren spielen bei der Bildaufzeichnung eine Rolle. Denkt man allein an die Entscheidung über Schwarzweiss oder Farbe, wird schon klar, wie schnell wir ins Bild eingreifen und es damit manipulieren.

Doch allein durch das Drücken des Auslösers entsteht noch kein Bild. Früher stand vor dem fertigen Bild das belichtete, aber unentwickelte Negativ, seitdem sich die digitale Fotografie in den meisten Bereichen durchgesetzt hat, steht vor dem fertigen Bild die unentwickelte RAW Datei. In beiden Fällen muss aus den aufgezeichneten „Daten“ zunächst ein Bild entwickelt werden. Zu analogen Zeiten stand der Fotograf in der Dunkelkammer und entwickelte zunächst das Negativ und darauß im Anschluss das Foto. Die Einflussmöglichkeiten waren schon damals nicht geringer als heute. Heutzutage schließt sich der Fotograf nicht mehr für Stunden in einen abgedunkelten Raum ein, die digitale Bildbearbeitung hat vieles vereinfacht, aber nur wenige Photoshop-Funktionen sind tatsächlich neu, vieles war bereits zu den Anfängen der Fotografie möglich und wurde auch gemacht.

Die Bildbearbeitung oder auch die Bildmanipulation ist also fest mit der Fotografie verbunden, natürlich in unterschiedlicher Intensität. In manchen Fällen geht es um kleinere Schönheitsreparaturen, manchmal geht es darum Beschädigungen des Originals zu reparieren und in einigen Fällen auch um gezielte veränderung einer Bildaussage.


Die Geschichte der Bildbearbeitung


Als Louise Daguerre 1839 sein Bild vom „Boulevard du Temple“ veröffentlichte und damit den offiziellen Startpunkt für die Fotografie setzte, war es sehr schnell üblich mit Kohle die Kontrastlinien des Bildes nachzuzeichen und Kontraste zu verändern. Flächen wurden geschwärzt oder Inhalte gar ausradiert, bevor dann ein Papierabzug erstellt wurde.

Bereits 1855 wurden bei der zweiten Weltausstellung in Paris die Möglichkeiten der Bildretusche bei Portraits vorgestellt. Es konnten geschlossene Augen durch die Möglichkeiten der Manipulation am Negativ so dargestellt werden, dass sie wieder geöffnet waren, Köpfe ausgetauscht und Inhalte der Bilder verändert werden. Bei Photoshop arbeiten wir heute mit Ebenen, in der Geschichte arbeitete man mit Doppelbelichtungen und Negativüberlagerungen, um gezielte Bildkompositionen zu erstellen. Es gab eine Vielzahl von Möglichkeiten.

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Complete Self-Instructing Library Of Practical Photography


Der Fotograf J.B. Schriever schrieb 1868 (veröffentlicht 1908) ein umfassendes Werk mit dem Titel „Complete Self-Instructing Library Of Practical Photography“. Ein zentrales Werk der Fotografietechnik mit Anleitungen zur Lichtsetzung, Bildaufbauf und Hinweisen zu Problemstellungen.

Im zweiten Band „Negative developing and after-manipulation“ werden grundlegende Techniken zu Bildmanipulation dargestellt und beschrieben. Keine 100 Jahre nachdem die Fotografie ihre ersten Schritte machte, gehörte die Manipulation und Bildretusche direkt am Negativ bereits fest zum Repertoire der Fotografen.

Schriever beschreibt in seinem Werk verschriedene Techniken, wie das Bemale und das Radieren von Negativen, Schönheitsretuschen bei Portraits und auch weitergehende Techniken, um beispielsweise aus einem Portrait eine Büste zu machen.


Gezielte Manipulation zur Meinungsbildung


Es dauerte auch nicht lange, bis Bilder gezielt verändert wurden, um politische Meinungen zu bilden und Berichterstattungen gezielt zu verfälschen. Menschen vertrauen ihren Augen und wenn es ein Bild gibt, dann „muss“ das auch so gewesen sein.

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Dieser meist politisch motivierten Manipulation verdankt die Bildbearbeitung ihren schlechten Ruf. Ob absichtlich verfälscht, um die Bildaussage zu verändern oder einfach nur aufgehübscht, um technische Fehler zu korrigieren bzw. physikalische Grenzen zu überwinden, bereits vom Begin der Fotografie an, waren die Möglichkeiten der Bildmanipulation vielfältig und wurden auch immer genutzt. Die digitale Technik hat diese Möglichkeiten lediglich vereinfacht!

 

Fotografieren lernen, sehen lernen! – Teil 2

Im ersten Teil dieses Artikels habe ich Euch etwas über die Unterschiede zwischen unserer Art zu sehen und der Art, wie die Kamera sieht, erklärt. Ihr habt erfahren, dass wir nur einen kleinen Teil unseres Sichtfeldes tatsächlich zum alltäglichen Sehen nutzen und Eure Kamera deutlich flexibler in der Gestaltung ihres Sehvermögens ist, als das menschliche Auge.

Wir sehen nicht nur, wir erleben!

Das Sehen ist nur die eine Seite dessen, wie Bilder in unserem Kopf entstehen, das eigentliche Bild entsteht durch viele „Einzelaufnahmen“, doch bevor diese wirklich als Bild in Eurem Kopf zusammengesetzt werden, werden sie durch unsere Wahrnehmung gefiltert!

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Anders als unsere Kamera, erleben wir den Moment, den wir festhalten wollen. Wir nehmen ihn mit all unseren Sinnen ganzheitlich wahr. Wir sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen, interpretieren, vergleichen Erinnerungen und Erwartungen, wir freuen uns oder sind traurig, wir bewerten die Situation anhand von gelernten und erlebten Dingen, aber wir vergessen auch, verdrängen und filtern unwichtiges einfach aus.

Unserer Kamera hingegen steht nur der „Sehsinn“ zur Verfügung, anhand ihrer technischen Parameter und einprogrammierten Algorhythmen „bewertet“ sie das gesehene und erstellt Euch ein Vorschaubild.


Die menschliche Wahrnehmungssperre

Doch unsere Wahrnehmung wird auch stark gefiltert, da unser Gehirn nur eine sehr begrenzte Aufnahmekapazität besitzt, diese Wahrnehmungssperre trainieren wir uns in den ersten Lebenswochen und Monaten an. Dieses Training ist schmerzhaft und laut, denn man weiß heute, dass Säugling aus unerfindlichem Grund schreien, weil sie reizüberflutet sind, ihr Gehirn hat bisher noch nicht gelernt die Umgebung nach wichtigen und unwichtigen Informationen zu filtern.

Tatsächlich landen gerade einmal 20% aller optisch und über andere Sinne aufgenommenen Informationen bewusst in unserer Erinnerung, die restlichen 80% filtern wir heraus, bewerten sie als unwichtig und vergessen sie wieder. Falls ihr selbst testen wollt, wie groß diese Lücke ist, lade ich Euch zu einem Test ein:

  1. Betretet einen Raum den Ihr noch niegewesen seid und nehmt Eure Kamera mit.
  2. Geht hinein und seht Euch nur für eine Sekunde um, in dieser Zeit macht ihr ein weitwinkliges Foto von diesem Raum.
  3. Dreht Euch um und geht wieder raus, nicht noch einmal reinschauen.
  4. Nun wartet ihr 10min. damit sich die Erinnerungen setzen können.
  5. Schnappt Euch einen weißen Zettel und versucht zu zeichnen, was ihr gesehen habt. Es geht nicht um Schönheit, sondern nur darum zu überlegen, was ihr gesehen habt. Schreibt eine kurze Beschreibung des Raums.
  6. Nun schaut Euch Eure Zeichnung und die Beschreibung an und vergleicht das mit dem Detailreichtum des Bildes, welches Eure Kamera gemacht habt.

Ihr werdet feststellen, das die Kamera – ohne Wahrnehmungssperre – ein deutlich detailierteres Bild aufgezeichnet hat, als Eure Erinnerung. Die Kamera ist Eurer Art die Welt zu sehen und zu interpretiere in vielen Dingen unterlegen, doch im reinen Sehen und Erinnern, ist sie Euch überlegen!

Daher ist es um so wichtiger sich möglichst genau auf das zu Fotografierende zu konzentrieren, die Bildränder zu kontrollieren und den Bildausschnitt mit Bedacht zu wählen.


Ein fotografisches Beispiel

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Beispielbild – Kameraaufzeichnung

Sicher kennt ihr das Phänomen, ihr macht ein Bild und irgendwie sieht das nicht so aus, wie Ihr Euch das Bild vorgestellt habt. Irgendwas ist anders, die Stimmung passt nicht, die Farben waren doch anders und warum ist da etwas im Bild, dass ihr Euch nicht erinnern könnt.

Dieses Bild zeigt in der unteren, linken Bildecke die „Heckflosse“ einer vorbeifahrenden Gondel in Venedig, an die ich mich beim Fotografieren nicht erinnern konnte. Ich habe sie am Bildrand nicht wahrgenommen auch wenn sie definitiv da war. Außerdem war das Bild in meiner Erinnerung deutlich farbenfroher, das Boot und der kleine Anlefer direkt am Balkon waren eigentlich mein Hautpmotiv und nicht der riesige Schatten im Hintergrund. Doch auch diesen habe ich so nicht wahrgenommen. Ich hatte mich auf das Boot konzentriert. Da dieses Boot in der Sonne stand, hatten meine Augen sich an die Helligkeit der Umgebung gewöhnt, was die Farbenfrohere Erinnerung erklärt.

Bildbeispiel 2 - So habt ihr das Bild gesehen.

Bildbeispiel – So habt ihr das Bild gesehen.

Denn wie Ihr im ersten Teil gelesen habt, seht Ihr lediglich einen kleinen Bereich des Bildes im zentralen Gesichtsfeld tatsächlich farbig, scharf und dreidimensional.

Ihr habt Euch also nur einen sehr zentralen Bereich des Bildes wirklich angeschaut und bewusst wahrgenommen und nur innerhalb dieses Bereiches entsteht Eure bewusste Erinnerung an das Bild, auch wenn der eigentlich gesehene Bereich größer war.

Eure Wahrnehmung hat das Bild dann zusätzlich noch optimiert und verfälscht. Nach ein paar wunderschönen Urlaubstagen in einer traumhaft schönen Stadt, einem guten Esssen und einem sehr schönen, sonnigen Tag macht ihr einen Schnappschuss.

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Beispielbild – Eure Erinnerung

All Eure Emotionen begleiten Euch in diesem Moment und sorgen dafür, dass Ihr Euch an einen deutlich schöneren Moment erinnert, als er es eigentlich war. Eure Erinnerung optimiert das Bild in Eurem Kopf, damit es dem entspricht, was ihr erlebt habt. Eure Erinnerung zeigt Euch immer eine subjektive Wahrnehmung und kein physikalisch, objektiv korrektes Bild.

Wie ich eingangs erwähnte, hatte ich ein farbenfroheres Bild im Kopf mit dem Boot als zentralem Bestandteil des Fotos.

Das Bild, welches mir also die Kamera geliefert hat, hat einen größeren Ausschnitt und entspricht nicht dem, was ich wahrgenommen habe. Sie hat ein Bild aufgezeichnet, welches den objektiven Ansprüchen eines möglichst guten Bildes entspricht. Hier zeigt sich der große Unterschied zwischen dem was Ihr glaubt zu sehen und dem was Eure Kamera tatsächlich gesehen hat.


Arbeitet mit der Wahrnehmung und nicht dagegen!

Ihr könnt gegen Eure Wahrnehmung nicht arbeiten, sie ist Euch mitgegeben und mit Euch gewachsen. Sie macht Euer Bild im Kopf aus und prägt Eure Erinnerungen und genau deswegen solltet Ihr mit Ihr arbeiten und nicht versuchen dagegen zu arbeiten.

Die Kameraautomatik kann keine Gedanken lesen, sie kennt keine Emotionen und weiß nicht, was für Euch das Bild ausmacht. Aber wenn Ihr Euch beim Fotografieren auf die Bildränder und den Bildaufbau konzentriert, alle Inhalte aus dem Bild herauslasst, die für Eure Bildaussage nicht wichtig sind und Euch nur auf das konzentriert, was ihr für Eure Geschichte braucht, dann werden Eure Bilder besser und ihr helft Eurer Kamera das Bild besser einzuschätzen.

Bildentwicklung

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Bildbeispiel – Bildentwicklung

Im zweiten Schritt ist wird es notwendig sein das Bild einer Bildentwicklung zu unterziehen, denn wie ich Euch bereits im ersten Teil beschrieben habe, ist die Bildbearbeitung ein zwingender Bestandteil der Fotografie.

Einen Bildausschnitt im Nachhinein größer zu machen ist natürlich nicht möglich, aber verkleinern geht schon, allerdings auch nur begrenzt.

Wichtiger ist es, technische Fehler und Fehleinschätzungen der Kamera zu korrigieren und das Bild so zu gestalten, dass es das zeigt, an das Ihr Euch erinnert! Nur so, entsteht am Ende das Bild, das Ihr eigentlich haben wolltet. Mehr dazu, im Artikel zum Thema „Bildbearbeitung.“

 

Fotografieren lernen, sehen lernen – Teil 1

Die Kamera sieht die Welt anders als wir

Warum ein Bild nicht dem entspricht, was Ihr eigentlich wolltet hat viele Gründe. Ein Grund, der den meisten sofort einfällt ist die Technik, die Kamera ist schlecht, wurde falsch bedient, kann das einfach nicht oder ist gar kaputt. Doch das ist nur ein Grund und nicht einmal der Hauptgrund, denn selbst eni technisch perfektes Bild, einer sündhaft teuren Profikamera kann bei optimalen Lichtverhältnissen einfach nicht das wiederspiegeln, was Ihr Euch vorgestellt habt!

Ein häufig unterschätzter Punkt ist die Art wie Eure Kamera im Unterschied zu Euch die Welt überhaupt sieht! Dabei spielt es nicht einmal eine große Rolle, ob Ihr Euch eines Profimodells oder eines Smartphones bedient, ob Ihr die Kamera manuell einstellt oder eine Vollautomatik die Arbeit machen lässt. Es gibt grundlegende Unterschiede in der Art wie das Bild vor Eurem geistigen Auge – also in der Regel das Bild, das Ihr gerne machen wollt – im Vergleich zu dem Bild, welches Eure Kamera aufzeichnet, entseht. In diesem Artikel möchte ich Euch ein paar dieser Unterschiede einmal vorstellen.


Das menschliche Gesichtsfeld oder Sichtfeld

Der Mensch hat ein ungefähres Sichtfeld von ca. 180° – 200°. Wie weit dieser Sichtwinkel ist, könnt ihr einfach austesten, indem Ihr gerade aus schaut, Eure Arme gerade, seitlich ausstreckt und diese dann gleichmäßig, langsam nach hinten bewegt bis ihr sie nicht mehr sehen könnt, ohne den Kopf zu bewegen. Dieses Sichtfeld erweitern wir dann noch dadurch, dass wir in unserer normalen Umwelt den Kopf bewegen können und so einen recht großen Sichtradius erreichen.

Das Sichtfeld einer Kamera hingegen ist abhängig von der Wahl des Objektivs oder besser gesagt, von der Wahl der Brennweite und vom Cropfaktor der Kamera, anders als Ihr kann eine Kamera ihr Sichtfeld erweitern und auch einschränken, das bezeichnet man als rein- oder rauszoomen.


Farbiges Sehen

Wir sind es unsere Netzhautlk-polarpUmwelt farbig zu sehen und nehmen in der Regel an, dass wir dies auch immer und über unser gesamtes Sichtfeld auch tun.

Doch dem ist nicht so, tatsächlich ist unsere Farbwahrnehmung stark eingeschränkt. In den äußeren Bereichen unseres Sichtfeldes sehen wir im Grunde gar keine Farben, dieser Bereich ist eher für das Sehen von Bewegungen da. Hier befinden sich spezielle Rezeptoren auf der Netzhaut, die dem Gehirn melden, ob sich in unserem äußeren Sichtfeld etwas bewegt, damit wir notfalls auf die Bewegung entsprechend reagieren können. Reaktionen können beispielsweise „Hinsehen“ – also den Kopf in die Richtung der Bewegung drehen – oder auch „Ausweichen“ – also reflexartikes Ducken sein.

Tatsächlich sehen wir nur in einem Bereich von etwa 70° ein wirklich farbiges Bild, weil nur dort alle drei Farbrezeptoren unseres Auges auch wirklich Farbinformationen aufnehmen und nur wenn alle drei Grundfarben gesehen werden, kann das Gehirn daraus die richtige Farbe mischen. In Sichtiwinkel, die ausserhalb dieses Bereichs liegen, sehen wir nur einen Teil der vorhanden Farben. (siehe Grafik)

Das farbige Sehen baut sich also langsam von außen nach innen auf. Diese Feinheit nehmen wir in unserem täglichen Leben allerdings nicht direkt wahr, weil wir es gewohnt sind und nur innerhalb unseres zentralen Gesichtsfeldes tatsächlich unser normales Sehen stattfindet.

Bei Eurer Kamera ist das allerdings anders, denn der Sensor empfängt über den gesamten, durch das Objektiv sichtbaren Teil alle Farben und stellt daraus ein Bild zusammen.


Dreidimensionales und scharfes Sehen

Sehen lernen, Fotografieren lernen, Fotokurs, Bremen, FotoschuleHinzu kommt  noch, dass wir als Menschen mit einem Augenpaar sehen und unsere Art zu sehen auf ein dreidimensionales Sehen ausgerichtet ist. Dieses dreidimensionale Sehen erreichen wir jedoch nur dort, wo sich die beiden Sichtfelder unserer Augen überschneiden und nicht über unser gesamtes Sichtfeld.

Dieser Bereich ist unser zentrales Sichtfeld, also das Sichtfeld in dem Ihr alle es gewohnt seid Eure Umwelt optisch bewusst wahrzunehmen, die äußeren Sichtbereiche nehmen wir nicht bewusst, sondern eher unbewusst wahr. Sie sind von untergeordneter Bedeutung, dienen eher einer Art Orientierung oder Kontrolle der Umwelt.

Um es einfach auszudrücken, natürlich bekommt ihr es mit, wenn seitlich von Euch ein Bär aus einem Gebüsch rennt, um Euch zu jagen, aber wenn seitlich von Euch einfach nur ein Gebüsch ist und nichts passiert, dann werdet Ihr Euch später auch nicht mehr daran erinnern, ob da ein Gebüsch war und schon gar nicht an Details. Wir brauchen unser äußeres Sichtfeld, aber nicht für unsere Bewusste Wahrnehmung und um die geht es ja, wenn Ihr etwas so fotografieren wollt, wir Ihr es „gesehen“ habt.

Das Objektiv Eurer Kamera kann diesen Sichtwinkel über die gewählte Brennweite variieren, Ihr könnt das nicht wirklich, aus diesem Grund empfinden wir Bilder, die mit einer sogenannten Normalbrennweite mit einem Sichtwinkel von ca. 46,7° fotografiert wurden, als natürliche Darstellung einer Situation, denn dieser Sichtwinkel zeigt in etwa das, was wir als normales Sehen empfinden. Jede Brennweite über- oder unterhalb der Normalbrennweite verändert diesen Sichtwinkel und produziert so ein anderes Bild, als das was wir normalerweise sehen würden. In meinem Blogartikel zum Thema Objektive erfahrt Ihr mehr zu den Brennweiten von Objektiven.

Desweiteren hat das menschliche Auge nur einen einzigen Scharfenpunkt auf der Netzhaut, also nur einen kleinen Bereich in dem wir wirklich ein scharfes Bild fokussieren können. Dieser scharfe Punkt befindet sich mittig in unserem Auge.

Auch das könnt ihr leicht testen, konzentriert Euch auf einen beliebigen Gegenstand, eine Person oder einen Punkt im Raum, schaut konzentriert auf diesen Punkt und Euch wird auffallen, dass alles ausserhalb dieses Punktes „unscharf“ wird, es liegt ausserhalb des Fokus‘.

So verhält es sich im Grunde auch bei Eurer Kamera, denn auch Eure Kamera kann nur auf einen bestimmten Bereich im Bild fokussieren, nur an diesem Punkt wird das Bild zu 100 Prozent scharf, ausserhalb dieses Punktes entscheidet die Schärfentiefe oder auch Tiefenschärfe darüber, was eventuell außerdem noch scharf dargestellt wird.


Ein Blick, ein Bild?

In der Regel fotografieren wir mit dem Anspruch das zu fotografieren, was wir gesehen haben und oftmals werden wir enttäuscht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass dieser Anspruch nicht nur schwer umzusetzen, sondern häufig ohne entsprechende Nachbearbeitung gar nicht umsetzbar ist.

Eure Kamere mit mit dem Drücken auf den Auslöser ein Foto, dieses Foto hat eine technische Einstellung für Werte wie Belichtungszeit, Blende und Lichtempfindlichkeit. Das Bild vor Eurem geistigen Auge besteht jedoch aus hunderten von Einzelbildern, die Ihr in kürzester Zeit gemacht habt, unser Gehirn setzt aus diesen Bildern dann ein Erinnerungsbild zusammen und genau dieses Bild wollt Ihr gerne fotografieren, aber mit nur einem Foto.

Das menschliche Bewusstsein verarbeitet pro Sekunde 24 Bilder, Ihr seht also die Welt mit 24 Bildern pro Sekunde oder anders ausgedrückt mit 1/24 Sekunde „Belichtungszeit“, ab 18 Bildern pro Sekunde sehen wir erste Bewegungsunschärfen. Schnellfiegende Insekten sehen hingegen bis zu 300 Bilder pro Sekunden, einfache Stubenfleigen sehen 250 Bilder pro Sekunde, sie sehen unsere Welt in Zeitlupe!

Wenn Ihr Euch also 10 Sekunden auf einem Marktplatz umschaut, Euch die Menschen anseht, den Boden, den blauen Himmel, die einzelnen Häuser, den Brunnen in der Mitte des Platzes und die Straßenmusikanten, die vor dem kleinen Restaurant auf der linken Seite spielen, dann habt ihr in diesen 10 Sekunden 240 einzelne „Bilder“ gemacht und immer wenn Ihr Euch auf einen neuen Bereich konzentriert habt, dann habt ihr mit Eurem Auge auch genau auf diesen Bereich fokussiert. Eurer Bewusstsein bastelt daraus jetzt das Bild, an welches Ihr Euch immer erinnern werdet, wenn ihr an diesen Marktplatz denkt.

Dieses Bild wird an verschiedenen Punkten scharf sein, auch wenn das eigentlich nicht stimmt. Eure Kamera kann dieses Bild aber nicht einfach dadurch erreichen, dass Ihr auf einen Auslöser drückt, nicht in einem manuellen Programm und am wenigsten in einem Automatikprogramm, denn die Kamera kann Eure Gedanken nicht lesen.

Hinzu kommt noch, dass Eure Kamera in der Regel nicht mit einer 1/24 Sekunde Belichtungszeit arbeiten wird. Ihre Spielwiese an Belichtungszeiten ist deutlich größer und kann an die Begebenheiten angepasst werden, entweder macht das die Automatik Eurer Kamera oder ihr selbst macht das, aber auch wenn ihr selbst die Belichtungszeit einstellt, die wenigsten Motive des Alltags fotografieren wir mit 1/24 Sekunde Belichtungszeit, schon gar nicht ohne Stativ! (siehe „Die Handaulösegrenze“)


Ein Bild, eine Blendeneinstellung! Haben wir das auch so gesehen?

Wie gesagt, Eure Kamera macht für ein Bild immer auch eine technische Einstellung, dazu gehört auch die Blendeneinstellung, welche Einfluss auf die Tiefenschärfe Eures Bildes hat, also darauf wo das Bild ausserhalb des Fokuspunktes noch scharf ist.

Die Blende Eurer Kamera ist der Iris Eures Auges nachempfunden und lässt sich recht gut damit vergleichen. Sie ist im Objektiv eingebaut und kann geöffnet und geschlossen werden. Doch während Eure Kamera die Belichtungszeit und die Blende verändern kann, könnt ihr nur Eure „Blende“ verändern, um Euch beispielsweise an Lichtverhältnisse anzupassen! Die Belichtungszeit Eures Bewusstseins könnt ihr nicht steuern, ihr seht die Welt immer mit der gleichen Belichtungszeit.

Während Ihr Euch besagten Marktplatz angeschaut habt, gab es helle und dunklere Flächen, der blaue Himmel, der Boden, die Häuser, Schatten, usw. und jedes Mal hat sich Euer Auge an die Lichtverhältnisse angepasst. Bei hellen Flächen war die Iris ganz weit geschlossen, bei dunklen ganz weit geöffnet. Eure 240 Bilder bestehen also aus unterschiedlichen Blendenstufen und Anpassungen an die Lichtverhältnisse. Das eine Erinnerungsbild besteht also aus 240 vollkommen unterschiedlichen Blickwinkeln und ausgeglichenen Lichtverhältnissen. Doch Eure Kamera kann nur ein Bild, mit einer Blende und einer Belichtungszeit darstellen, eine technische Einstellung und genau hier besteht eine technische Diskrepanz zwischen dem was wir glauben gesehen zu haben und dem was wir technisch fotografieren können.


Ein Bild wird nicht aufgenommen, es wird gemacht! (Ansel Adams, Landschaftsfotograf)

Aus diesen genannten Gründen ist eine Bildentwicklung oder Bildbearbeitung ein unabdingbares, wenn auch manchmal ungeliebtes Muss in der Fotografie, noch nie in der Geschichte der Fotografie hat es ein vollkommen unbearbeitetes Bild gegeben, ein Foto kann seinem hohen Anspruch nur genügen, wenn Ihr ihm die Möglichkeit dazu gebt.

Und dazu gehören Beachtung des Bildausschnittes, des Bildaufbaus, des gewählten Blickwinkels und der Inhalte und auch die entsprechende Nachbearbeitung und Korrektur technischer „Unzulänglichkeiten“, die in der Regel nicht zu vermeiden sind, weil eine Kamera eine Maschine, ein Werkzeug ist und bleibt. Mehr zum Thema Bildbearbeitung in meinem Blogartikel „Bildbearbeitung, ein zwingendes Muss in der Fotografie!

 

 

 

 

 

Was ist der Cropfaktor?

Seit der Einführung der Digitalfotografie stolpert man als Fotoleihe immer wieder über den Begriff des Cropfaktors. Zwar ist der Vergrößerungs- oder Formatfaktor wie der Cropfaktor auch heißt, kein neuer Begriff, der erst mit der Digitalfotografie aufkam, dennoch war er für die meisten Hobbyfotografen zur Analogen Zeit noch nicht von Bedeutung. Gerade in der Digitalfotografie begegnen einem die Begriffe Vollformat und Cropfaktor immer wieder, da sie bei der Wahl der Kamera und auch bei der Wahl von Objektiven eine große Rolle spielen, solltet Ihr wissen, was diese Begriffe für Ihr Bild bedeuten.

Unterschiedliche Bildsensoren

Die heute gängigen Digitalkameras im Kompakt-, System- und niedrigpreisigen Spiegelreflexbereich arbeiten heute mit sogenannten „Teilformatsensoren“, die gängigsten sind der APS-C Sensor von Canon mit 22,2mm x 14,8mm und der DX Sensor von Nikon mit 23,7mm x 15,6mm und der Four Third Sensor von Panasonic und Olympus mit 17,31 mm × 12,98 mm. Diese Kameras bieten für den Hobbyfotografen, den ambitionierten Amateurfotografen und Semiprofessionelle Fotografen eine sehr gute Bildqualität.

Die ebenfalls auf dem Markt vorhandenen Vollformat Kameras sind in der Regel deutlich teuer und verfügen über einen Bildsensor, der die gleiche Größe hat, wie das analoge 35mm Kleinbildfomat. Der Vollformatsensor ist mit 36mm x 24mm somit deutlich größer, als die Teilformatsensoren.

Vorteile bietet der Vollformatsensor vor allem in den Bereichen der Schärfentiefe und des Bildrauschens, aber auch die „generelle“ Abbildungsqualität ist durch eine bessere Anordnung der einzelnen Pixel deutlich höher.

Diese Vorteile sind durch die Sensorgröße und einige physikalische Regeln bedingt, ein größerer Sensor wid also immer Vorteile in der Schärfentiefe haben.

Der Cropfaktor

Der Cropfaktor oder zu deutsch Vergrößerungsfaktor ist für die Brennweitenwirkung eines Objektivs entscheidend und  entsteht durch unterschiedlich große Bildsensoren in den Digitalkameras. Als Bezugsgröße dient das alte 35mm Kleinbildformat, das heute als Vollformat bezeichnet wird. Der Cropfaktor gibt an, um wie vielfach größer die Bilddiagonale des Vollformatsensors im Verhältnis zur Bilddiagonale des Teilformatsensors ist:

  • APS-C Sensor: Cropfaktor 1,6
  • DX Sensor: Cropfaktor 1,5
  • Four Third Sensor: Cropfaktor 2
  • Vollformatsensor: Cropfaktor 1

Nutzt man nun eine Brennweite von 50mm auf einer Vollformatkamera, einer APS-C Kamera, einer DX Kamera und einer Four Third Kamera, so erhält man von der gleichen Situation unterschiedliche Ausschnitte (engl. to crop: ausschneiden).

Bei einer Bildentwicklung dieser drei Bilder auf die gleiche Formatgröße -beispielsweise 20cm x 30cm – würde dies einer Ausschnittsvergrößerung gleichkommen (Vergrößerungsfaktor).

Denn für die Brennweitenwirkung (das Sichtfeld / -winkel) des Objektivs, muss nun die physikalische Brennweite mit dem Cropfaktor mulitpliziert werden, um zu wissen, wie das Objektiv auf der jeweiligen Kamera wirkt:

Für eine 50mm Brennweite ergibt sich somit:

  • APS-C Sensor: 50mm x 1,6 = 80mm
  • DX Sensor: 50mm x 1,5 = 75mm
  • Four Third Sensor: 50mm x 2 = 100mm
  • Vollformatsensor: 50mm x 1 = 50mm

Die Brennweite ist eine physikalische Größe

Oftmals wird fälschlicherweise behauptet, ein 50mm Objektiv sei auf einer Teilformatkamera eine andere Brennweite, das stimmt nicht! Die Brennweite ist eine physikalische Eigenschaft und meint lediglich den Abstand zwischen Sammellinse und Brennpunkt des Objektiv, dieser Abstand verändert sich durch den Einsatz eines Teilformatsensors nicht, lediglich der gezeigte Ausschnitt verändert sich!
Auch weitere Eigenschaften der jeweiligen Brennweite werden durch eine Teilformatkamera nicht verändert, so bleiben beispielsweise die Verzeichnungseigenschaften eines Weitwinkelobjektivs (tonnenförmige Verzeichnung) erhalten. Mehr dazu in meinem Blogartikel zum Thema „Ojektive, Brennweite und Verzeichnung.“

Vollformat Kamera

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Dieses Bild wurde mit einer Vollformatkamera aufgenommen, es zeigt einen Bildausschnitt bei 50mm Brennweite, also einen Normalausschnitt, der auf Grund der Verzeichnungseigenschaften einer 50mm Brennweite nahezu verzeichnungsfrei ist.

APS-C Kamera (Canon)

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Dieses Bild zeigt den Bildausschnitt einer APS-C Kamera, ebenfalls bei einer Brennweite von 50mm, wie man sieht wird hier das Bild deutlich beschnitten und zeigt einen völlig anderen Ausschnitt.

DX Kamera (Nikon)

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Dieser Bildausschnitt entsteht bei einem DX Sensor, der Bildausschnitt ist auf Grund der etwas anderen Sensorgröße geringfügig anders, als der Ausschnitt der APS-C Kamera und auch wieder deutlich kleiner, als der Ausschnitt des urspünglichen Motivs.

Das Beispiel zeigt deutlich, dass der Cropfaktor einen großen Einfluss auf den abzubildenden Ausschnitt hat. Wenn Ihr also die Objektiveigenschaften (z.B. Verzeichnung) einer bestimmten Brennweite nutzen möchten und den gleichen Ausschnitt, wie bei einer Vollformatkamera erzeugen wollen, braucht Ihr ggf. mehr Abstand zum Motiv.

Das Problem mit der anderen Brennweite

Um lediglich den gleichen Ausschnitt zu zeigen, können Sie auch eine kleinere Brennweite nutzen, um den Cropfaktor auszugleichen könnten Sie bei einer DX Kamera eine Brennweite von 33mm und bei einer APS-C Kamera eine Brennweite von 31mm nutzen. Der Bildausschnitt entspräche dann nahezu dem einer Vollformatkamera bei 50mm Brennweite. Doch vorsicht, unterhalb von 50mm befinden Sie sich im Weitwinkelbereich, bei diesem Brennweitenbereich erzeugen Sie eine tonnenförmig Verzeichnung.

Objektive, Brennweite und Verzeichnung

Auf beinahme jedem Objektiv steht sie drauf, in manchen Kompaktkameras und in Handys ist sie eher versteckt (im Zoomwert), die Brennweite, aber was bedeutet das eigentlich und warum ist dieser Wert wichtig?


Die Lupe und das brennende Papier

Kennt Ihr das noch? Ihr spielt al Kind mit einer Lupe und kokelt damit ein Stück Papier oder ein Stück Holz an, die Lupe bündelt das Licht so stark, dass ein extrem heißer Lichtpunkt entsteht, der ausreicht, um ein Feuer zu entzünden.

Würdet Ihr den Abstand zwischen dem Mittelpunkt der Lupe und diesem Brennpunkt messen, dann hättet Ihr die Brennweite der Lupe. Die Brennweite ist also der gemessene Abstand zwischen der Sammellinse und ihrem Brennpunkt, das ist bei Objektiven nicht anders. Einzig dem Aufbau eines Objektivs, ist es zu verdanken, dass ein Objektiv mit 300mm Brennweite nicht wirklich 30cm lang sein muss.

Ein Objektiv besteht nicht nur aus einer einiigen Linsen, sondern aus einem ganzen System aus Linsen, die das Licht immer wieder Sammeln und Streuen, damit am Ende die beste Lichtausbeute für das Bild zur Verfügung steht.

Die Brennweite ist also eine physikalische Größe und diese physikalische Größe ist mit bestimmten Eigenschaften verbunden. Eine davon ist die sogenannt Verzeichnung, eine Bildverzerrung, welche durch die Linsenkrümmungen entsteht. Eine weitere ist der Blickwinkel, die jedoch auch von der Größe des Bildsensors abhängig ist. Zum Blickwinkel erfahrt ihr in meinem Artikel zum Thema „Cropfaktor“ mehr.


Die Verzeichnung

Die Verzeichnung eines Objektives lässt sich nicht verhindern, sie ist einfach vorhanden und sie hat Einfluss auf Eure Bilder.

Verzeichnung, Objektiv, Verzerrung, Darstellung

Weitwinkelobjektive

Objektive mit einer Brennweite unterhalb von 50mm sind grundsätzlich Weitwinkelobjektive, auch wenn ihr eigentlicher Blickwinkel von der Sensorgröße abhängt, und jedes Weitwinkelobjektiv verzeichnet das Bild tonnenförmig! Bei dieser Art der Verzeichnung, werden die zentralen Bestandteile des Bildes „aufgebläht“, die Außenlinien wölben sich nach außen, senkrechte und waagerechte Linien werden nicht gerade dargestellt, sondern verzeichnet.

Bei einer tonnenförmigen Verzeichnung, werden Objekte, die sich nah am Objektiv befinden, größer dargestellt, als Objekte im Hintergrund. Die Proportionen von Objekten und Menschen verändern sich.

Teleobjektive

Objektive mit einer Brennweite über 50mm sind grundsätzlich Weitwinkelobjektive und jedes Teleobjektiv verzeichnet das Bild kissenförmig! Bei dieser Art der Verzeichnung, werden die Zentralen Bestandteile des Bildes „gestreckt“, die Außenlinien wölben sich nach innen, senkrechte und waagerechte Linien werden ebenfalls nicht gerade dargestellt, sondern verzeichnet.

Bei einer kissenförmigen Verzeichnung, werden Objekte schmaler dargestellt und leicht gestreckt. Die Proportionen werden zwar auch verändert, doch fallen diese Veränderungen in der Regel nicht so stark ins Gewicht. Eine Ausnahme sind auffällige, senkrechte Linien am Bildrand, wie beispielsweise Kirchtürme.

Die meisten Portraitaufnahmen entstehen aus diesem Grund im weitwinkligen Bereich bei Brennweiten zwischen mindestens 85mm und 135mm.

Normalobjektive

Nur die Brennweite von 50mm bleiben senkrechte und waagrechte Linien gerade und „randparallel“. Die original Proportionen bleiben erhalten. Diese Brennweite ist hervorragend geeignet für das Fotografiern von Produkten, Stilleben, Architektur- und Landschaftsfotografien.

Für Portraitfotografien sind diese Objektive nur begrenzt zu empfehlen, zwar zeigen sie die Welt so wie sie wirklich ist und bilden somit Menschen auch so ab, wie sie wirklich aussehen, dennoch werden die meisten Portraitierten das Bild nicht mögen. Wir haben in der Regel ein anderes Bild von uns selbst im Kopf, als das was andere von uns sehen. Vergleicht es einfach damit, wie Ihr selbst Eure eigene Stimme auf Band empfindet.

An einer Vollformatkamera bieten diese Objektive einen Blickwinkel von ca. 46°, was unserem alltäglichen Sehen entspricht. Bilder mit diesem Sichtwinkel empfinden wir als natürlich und stimmig, weil sie dem entsprechen, was wir alltäglich als „normal“ sehen.


Die Schwäche des Smartphones

In der Regel verfügen Smartphones bei ihren eingebauten Kameras über sogenannte „Festbrennweiten“, das bedeutet, dass die Linse nur eine Brennweite hat! Da die meisten Schnappschüsse im weitwinkligen Bereich entstehen (Landschaften, Städte, Urlaubsbilder, etc.) sind die eingebauten Linsen recht weitwinklig!

Smartphones verzeichnen Ihre Motive also tonnenförmig und auch wenn die Automatiken und Optimierungsprogramme innerhalb des Smartphones sind zwar sehr gut, können jedoch auch nicht die Physik bzw. die Optik ausser Kraft setzen.

Aus diesem Grund sind Smartphones keine besonders gute Wahl, wenn es um das Erstellen von Portraits geht, da Körperproportionen verzerrt wiedergegeben werden und das Gesicht breiter dargestellt wird, als es eigentlich ist. Smartphones machen also beim Fotografieren „dick“.

Zubehör – Was man halt so braucht.

Am Anfang steht die Kamera, aber sobald man sich ein bisschen mehr mit dem Thema Fotografieren beschäftigt, stellt man fest, dass es neben der Kamera noch jede Menge Zubehör gibt. Die Auswahl variiert je nach Kameramodel.

Doch welches Zubehör braucht Ihr wirklich? Welches Zubehör ist eher ein „nice to have“ und welches Zubehör wird erst wichtig, wenn Ihr Euch in eine bestimmte Richtung spezialisieren wollt?

Hier habe ich mal ein paar Tipps und Erklärungen zum Thema Fotozubehör und Fotoausstattung zusammengestellt.


MUSS – Die Basisausstattung in der Fotografie

Die Basisausstattung eines Fotografen ist selbstverständlich abhängig davon, was er eigentlich fotografieren möchten und ob er sich eher als Hobbyfotograf sieht oder gerne mehr aus seiner Fotografie machen möchte, als ein Hobby. Dennoch gibt es gerade in der Mindestausstattung eine gemeinsame Basis.

Kameragehäuse bzw, Systemkamera

Für jeden Fotografen unabdingbar ist eine Kamera, die zu seinen Bedürfnissen passt. Macht Euch vor dem Kauf einer neuen Kamera einen Moment  lang ein paar Gedanken, welche Anforderungen Kamera erfüllen sollte, was soll Eure Kamera Euch bieten? Außerdem Ihr euch auch kurz Gedanken darüber machen, was Sie am liebsten fotografieren und was Sie vielleicht gerne fotografieren möchten.

Eine Kamera, die Ihr in Zukunft an Eure veränderten Bedürfnisse anpassen und individuell mit einer großen Auswahl an Zubehör nachrüsten könnt, kann später bares Geld sparen! Hinweise dazu, welche Kamera zu Euch passen könnte, findet Ihr in meinem Blogartikel zum Thema „Welche Kamera passt zu mir“.

Ersatzakku

Kommt Euch das auch bekannt vor, Ihr schaut auf Euer Smartphone und stellt fest, dass Ihr nur noch 20% Akkuleistung habt und hofft, dass der Akku noch für den Rest des Tages oder bis zur nächsten Steckdose hält.

Die Kapazitäten moderner Akkus sind wirklich besser geworden, dennoch ist ein zweiter Kamera-Akku ein absolutes Muss für jeden Fotografen, denn es liegt in der Natur der Sache, dass der Akku seinen Dienst verweigert, während Sie ihn nutzen und das wird sich auch bei noch längeren Akkulaufzeiten nicht ändern. Gerade in der Reise- und auch in der Auftragsfotografie gibt es nichts ärgerlicheres, als wenn Sie ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr fotografieren können, nur weil der Kamera-Akku leer ist.

Ersatz Speicherkarte

Klingt im ersten Moment erstmal sinnlos, bei Speicherkarten mit Kapazitäten von 64GB und demnächst vermutlich noch mehr. Wozu soll man bei diesen riesigen Speicherplatz noch eine Speicherkarte mitnehmen?

Eine Speicherkarte ist ein technisches Gerät und jedes technische Gerät kann ausfallen, was nicht immer bedeutet, dass die Karte kaputt sein muss. Speicherkartenkönnen beispielsweise „heißlaufen“ und plötzlich schaltet sich die Karte aus reinem Selbstschutz ab und wird von der Kamera nicht mehr erkannt. Zwar ist dieser Zustand meist nur temporär, aber auch hier gilt „es ist einfach nur ärgerlich, wenn sie ab einem bestimmten Moment nicht mehr fotografieren können.“

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich Euch von einem Fotojob in München im Jahr 2013 berichten bei dem mir genau das passiert ist:

Mein Auftraggeber hatte mich für Außenaufnahmen gebucht, ich sollte auf einem Event fotografieren. Schönes, sonniges Wetter, eine tolle Kulisse und über 37°C im Schatten. Mein schwarzes Kameragehäuse wurde immer wärmer und irgendwann zeigte meine Kamera mit einen „CARD ERROR“ und es lief gar nichts mehr. Durch einen simplen Wechsel der Speicherkarte konnte ich den Job problemlos zu Ende fotografieren. Die zu heiß gewordene Karte funktionierte nachdem sie abgekühlt war auch wieder einwandfrei! Ohne eine Ersatzkarte hätte ich meinem Auftraggeber erklären müssen, warum ich nach der Hälfte des Events keine Bilder mehr machen konnte. In der Auftragsfotografie wäre das ein absolutes Desaster, aber auch bei Euren Urlaubsbildern, wäre es ärgerlich, wenn man an einen bestimmten Ort fährt und dann nicht mehr fotografieren kann, nur weil die Karte ausfällt.

Objektive

Egal für welchen Kameratyp man sich letztlich entscheiden, man sollte darauf achten, welchen Brennweitenbereich die Kamera bietet. Bei der Brennweite (Zoom) der Kamera bzw. der Objektive sollte sowohl der Weitwinkelbereich (<50mm Brennweite), als auch ein angemessen großen Telebereich (>50mm Brennweite) abgebildet werden können.

Ich empfehle eine Mindestbrennweite von 24mm für Vollformatkameras (und einen Telebereich von mindestens 135mm für Vollformatkameras.

Diese Brennweitenempfehlung hängt vor allem mit den physikalischen Eigenschaften der einzelnen Brennweiten und deren Einsatzbereich ab. Was genau diese Angabe bedeutet und warum ich auf der Vollformat hinweise, beschreibe ich in meinem Blogartikel zum Thema „Der Cropfaktor oder Vergrößerungsfaktor.“

Stativ

Fotografie ist das Zusammenspiel von Licht und Zeit, doch bei allem technischen Fortschritt gibt es physikalisch bedingte Grenzen, eine davon ist die Handauslösegrenze, also die Belichtungszeit, die Ihr mindestens braucht, damit Ihr ein Bild aus der Hand – also ohne ein Stativ – auslösen könnt Diese Handauslösegrenze erreicht man schneller als erwartet, daher sind bei schlechten Lichtverhältnissen Stative ein absolutes Muss, wenn Ihr nicht auf hohe ISO-Werte und damit auf ein höheres Bildrauschen ausweichen wollt. Immer wenn die Belichtungszeiten zu lang werden, muss die Kamera mit Hilfe eines Statives ruhig gelagert, sonst verwackelt Ihr das Bild!

Welche Art von Stativen Ihr nutzen möchtet, liegt vor allem daran wann und wofür Ihr Eure Kamera einsetzen wollt. Es gibt kleine und handliche Reisestative, deren Arbeitshöhe auf Grund ihrer Bauweise meist nicht über 150cm hinausgeht. Diese kleinen und handlichen Reisestative sind für alle geeignet, die ein Stativ eher für den „Notfall“ brauchen, jedoch nicht unbedingt mit Langzeitbelichtungen experimentieren wollen. Reisestative sind meist leicht und somit recht windanfällig und wackelig, was bei Belichtungszeiten im Sekundenbereich ein Problem werden kann.

Ich empfehle ein Dreibeistativ mit Kugelkopf, für die meisten Gelegenheiten, im professionellen Makrobereich sollte es dann allerdings auch ein spezielles Stativ sein, welches sich für Makrofotografien eignet. Solltet ihr das Stativ öfter einsetzen und damit arbeiten, so sollte die Arbeitshöhe Eures Statives zu Eurer Körperhöhe passen, damit ihr nicht ständig in gebückter Haltung fotografieren müsst.

Bildbearbeitungsprogramm

Das was Euch Eure Kamera anzeigt, sei es im Vorschaumonitor oder auf dem Bildschirm zu Hause, ist kein fertiges Bild! Es handelt sich lediglich um einen Entwicklungsvorschlag Eures Herstellers, also nur eine Möglichkeit wie das Bild aussehen könnte. Es sind im Grunde nur Interpretationsvorschläge der aufgezeichneten Daten, wer jedoch das beste Ergebnis aus seinen Bilder herausholen möchte, kommt um ein Bildbearbeitungsprogramm nicht herum.

Auf dem Markt gibt es reichlich Programme, die Euch eine gute Nachbearbeitung Eurer Bilder (eine Bildentwicklung) ermöglichen, dabei muss es nicht immer Photoshop sein, die tiefen Eingriffe in das Bild, die Photoshop oder auch die kostenlose Variante GIMP bieten, sind bereits eine sehr umfangreiche Bearbeitung. Einfachere Programme wie Lightroom oder Darktable (kostenlos) bieten für die meisten Hobby- und Amateurfotografen bereits ausreichend Möglichkeiten der Bildbearbeitung.

Mehr dazu in meinem Blogartikel zum Thema „Bildbearbeitung, ein absolutes Muss für beste Qualität“.


SOLLTE – generelle Möglichkeiten der Erweiterung

Neben dem absoluten Muss in der Kamera-Ausrüstung, gibt es natürlich auch Dinge, die man nach und nach holen kann, um seine Möglichkeiten zu erweitern und zu verbessern. Fotografie ist abhängig vom Licht und unterliegt den Regeln der Physik und Optik, doch mit ein paar hilfreichen Zusätzen können Sie einfach mehr aus Ihren Bildern machen und ersparen sich an manchen Stellen die sonst notwendigen Nachbearbeitungsschritte!

Schutzfilter oder UV-Filter

Objektive sind teuer und auch wenn die heutigen Linsengläser in der Regel sehr gut veredelt werden und nicht mehr so leicht zerkratzen, ein starker Kratzer in der vorderen Linse kann dazu führen, dass das gesamte Objektiv reif ist für die Mülltonne! Eine Reparatur lohnt in der Regel nicht, da der Austausch einer Linse nur unter staubfreien Laborbedingungen möglich wäre und es sich be einem Objektiv um ein in sich geschlossenes System handelt, so dass kein Staub, Sand oder gar Wasser eindringen kann.

Ein einfacher Schutzfilter wird daher von vielen Fotografen dauerhaft vor das Objektiv geschraubt. Häufig werden hierzu UV Filter genutzt, da deren Einfluss auf das Bild in der Regel nicht sichtbar ist und sie erst unter bestimmten Bedingungen einen echten Effekt auf das Bild haben. Sie rauben kaum Licht und können problemlos auf dem Objektiv bleiben.

Polarisationsfilter

Einer der nützlichsten Filter und einer der wenigen, die es aus der analogen Welt in die digitale Welt geschafft haben, ist der Polarisationsfilter. Dieser nützliche FIlter entfernt „überschüssiges“ Licht und kann Spiegelungen von beinahe allen glänzenden Oberflächen reduzieren. Über eine „Active D-Lighting“ Funktion Ihrer Kamera wird manchmal versucht den Effekt eines Polarisationsfilters digital zu simulieren, jedoch sind die Ergebnisse in der Regel eher mittelmäßig.

Wie alle Filter sitzt der Polarisationsfilter vor dem Objektiv und hat somit einen direkten, optischen Einfluss auf das Geschehen, Ihr könnt also bereits im Sucher der Kamera genau sehen, welchen Effekt der Filter auf das Bild haben wird. Durch drehen kann dieser Effekt gesteuert werden. Polarisationsfilter ermöglichen Euch beispielsweise durch Glas hindurch zu fotografieren, verstärken in der Landschaftsfotografie die Farben, dadurch dass sie Lichtreflektionen des weißen Lichts herausnehmen, ermöglichen Euch Sonnenspiegelungen auf Wasser zu kontrollieren und lassen bei regennassen Straßen ungewünschte Spiegelungen verschwinden.

Gerade in der Landschafts-, Architektur-, Produkt-, und Stillleben-Fotografie ist dieser Filter ein absoutes Muss, denn hier können unerwünschte Spiegelungen das Bild schnell zerstören oder zu sehr vom eigentlichen Bildinhalt ablenken.

Aufsteckblitz

Der Aufsteckblitz oder auch Systemblitz ist gerade bei schwierigen Lichtverhältnissen sehr nützlich. Er bietet deutlich mehr Leistung als der eingebaute Notblitz (Aufhellblitz, Gegenlichtblitz). Die Reichweite des Systemblitzes ist damit deutlich größer und die Einsatzmöglichkeiten sind viel flexibler, da diese Blitzgeräte auch ein indirektes Blitzen ermöglichen.

Auf Dauer ein sehr nützlicher Begleiter, gerade wenn es um das Fotografieren in geschlossenen Räumen geht, aber auch bei Außenaufnahmen kann ein Systemblitz durch seine Möglichkeit eine Streulichtkappe oder einen Difusor einzusetzen, eine große Hilfe sein, wenn es darum geht Schatten zu eliminieren, die durch einen ungünstigen Sonnenstand entstehen.


KANN – Spezialausrüstung

Der größte Vorteil in der Fotografie ist die Vielzahl der Möglichkeiten, Sie können Ihre Fotoausrüstung so anpassen, dass Sie sich an Ihre Bedürfnisse anpasst, ohne sich jedes Mal eine neue Kamera kaufen zu müssen.

Fernauslöser

In der Langzeitbelichtung ist der Fernauslöser ein zwingend notwendiges Zubehörteil. Immer wenn Sie eine Belichtungszeit manuell anwählen müssen und die Kamera nicht mehr direkt am Auslöser bedienen können, um Verwacklungen zu vermeiden, brauchen Sie die Möglichkeit sich von Ihrer Kamera zu trennen. Außerdem bieten viele Modelle eine eine eingebaute Langzeitbelichtungsgrenze von 30 – 60 Sekunden, bis zu dieser Zeit kann man ggf. mit Hilfe des Selbstauslösers arbeiten, doch jenseits dieser Zeit springt die Kamera in die BULB-Funktion.

In dieser Funktion belichtet die Kamera so lange, wie Ihr den Auslöser gedrückt haltet, also beispielsweise 30min., da Ihr während der gesamten Zeit nicht wackeln dürft, müsst Ihr die Kamera fernauslösen und den Belichtungsprozess auch mit einem Fernauslöser wieder stoppen.

Spezialobjektive

Makro-Objektive, Fisheye-Objektive, Tilt- / Shift-Objetive, usw. für beinahe jede Spielart der Fotografie gibt es spezielle Objektive, die Ihnen die Arbeit in diesem Bereich erleichtern oder überhaupt erst ermöglichen!

Marko-Objektive
Ein Makro-Objektiv ist ein Objektiv, das speziell für die Fotografie im Nahbereich entwickelt wurde. Es verfügt über hohe Abbildungsqualitäten, zeichnet sich in der Regel durch eine hohe Lichtstärke (Blende 2.8) und einen Abbildungsmaßstab von 1:1 aus. So ist es Möglich ein Objekt in Lebensgröße auf Ihrem Bildsensor zu verewigen. Makro-Objektive sind in der Regel Festbrennweiten!
Standardobjektive mit Makrofunktion sind in der Regel nicht in der Lage einen solchen Abbildungsmaßstab zu bieten, meist liegt deren Abbildungsmaßstab bei 1:4 oder 1:5, das Objekt wird also verkleinert auf dem Sensor dargestellt und verliert an Detailgenauigkeit

Fisheye-Objektive
Fisheye-Objektive sind Extrem-Weitwinkel-Objektive mit einem sehr großen Blickwinkel und einer sehr kleinen Brennweite (z.B. 8mm). Sie krümmen die Welt sehr stark und sorgen für eine sehr große tonnenförmige Verzeichnung des Gesamtmotivs.

Tilt- / Shift-Objektive
Diese Objektive sind Spezialobjekjtive, die häufig in der Architekturfotografie zum Einsatz kommen, sie verfügen über eine sehr kleine Brennweite, können allerdings stürzende Linien sehr gut ausgleichen. Gerade bei sehr hohen Häusern können stürzende Linien nicht verhindert, aber durch diese Objektive ausgeglichen werden.

externer Belichtungsmesser

Im Studioalltag oder auch bei der Fotografie von großflächigen Objekten mit unterschiedlicher Struktur und einen unregelmäßigen Lichtverlauf ist der eingebaute Belichtungsmesser mit seinen Einstell- und Messmöglichkeiten ggf. nicht exakt genug. Hier hilft ein externes Belichtungsmessgerät.

Anders als der Belichtungsmesser der Kamera, der das Licht nicht direkt am Objekt, sondern aus Sicht der Kamera mißt und damit auf Grund der Entfernung auch das Umgebungslicht mit einbezieht, kann der externe Belichtungsmesser das Licht direkt am Objekt messen. So wird die Messung des vorhandenen Lichts, sowie der Intensität eines Blitzlichtes deutlich genauer und bessere Blendeneinstellungen ermöglicht.


Diese Liste ist natürlich nicht vollständigt, die Fotografie ist vielseitig und auch das Zubehör ist entsprechend umfangreich. ich werde nach und nach weitere Zubehörteile in dieses Liste auflisten und die Liste weiter vervollständigen.

Welche Kamera passt zu mir?

Die Qual der Wahl vor der viele stehen, die sich gerne mehr mit Fotografie beschäftigen möchten, ist häufig eine der ersten Aufgaben, die es zu lösen gilt. Immer wieder bekomme ich Anfragen zum Thema: „Wie finde ich die richtige Kamera?“

Die Kameratypen und was sie unterscheidet

Vor einigen Jahren war die Frage der Kamerawahl recht einfach, es gab eigentlich nur die Frage, wie professionell ihr fotografieren wollt. Die teuren Spiegelreflexkameras waren in der Regel eher etwas für sehr ambitionierte Amateurfotografen und Profis, die günstigere Kompaktkamera mit der praktischen Vollautomatik, war das Model der Wahl für die meitsten Hobbyfotografen, die einfach nur ein paar nette Schnappschüsse im Urlaub machen wollten.
Inzwischen haben Sie grundsätzlich die Wahl aus vier unterschiedlichen Kameratypen und welcher Typ zu Euch passt hängt im Wesentlichen davon ab, was genau ihr gerne fotografieren wollt. Jeder dieser Kameratypen hat seine Vor- und Nachteile :

  • Handykamera
  • Kompaktkamera
  • spiegellose Bridge- oder Systemkamera
  • Spiegelreflexkamera (DSLR)

Alles eine Frage der Haptik

Im Grunde solltet ihr Euch vor dem Kamerakauf niemals auf nur ein Model festlegen, sondern Euch immer gleich noch ein bis zwei Konkurrenzprodukte anderer Hersteller anschauen, die technisch nahezu identische Möglichkeiten bieten. In den jeweiligen Preissegmenten sind die Unterschiede zwischen den Herstellern eher gering und wenn man sich nicht unbedingt auf einen bestimmten Schwerpunkt festgelegt hat, dann sind diese auch zu vernachlässigen.

Ihr solltet allerdings Eure zukünftige Kamera vor dem Kauf bereits mindestens einmal in der Hand gehalten und getestet haben! Wichtiger als die technischen Feinheiten der einzelnen Modelle ist die Haptik, also die Frage, wie fühlt es sich an diese Kamera zu halten.

  • Wo liegt der Auslöser? Kann ich ihn problemlos erreichen?
  • Gerade bei Bridge-, System-, und Spiegelreflexkameras liegen die wichtigsten Knöpfe in der Regel in der Erreichbarkeit von Daumen und Zeigefinger der rechten Hand. Kommt ihr da gut ran?
  • Sind die Abstände groß genug, dass ihr mit Euren Fingern nicht immer mehrere Knöpfe drückt, obwohl ihr nur einen drücken wollt?
  • Manchmal sind Knöpfe doppelt belegt, daher kann es auch entscheidend sein, wie empfindlich diese Knöpfe reagieren und wie gut ihr den Widerstand beim Drücken merkt.
  • Habe ich Platz für meine zweite Hand? Auch eine schöne Frage, wenn es um Kompaktkameras geht, denn manche Modelle sind so ungeschickt gebaut, dass man mit der zweiten Hand schnell mal den Blitz verdeckt. Später fragt man sich dann immer, warum das Bild trotz Blitz nicht heller geworden ist.
  • Habe ich das Gefühl die Kamera sicher zu halten oder habe ich ständig Angst sie rutscht mir aus der Hand?
  • Ist es bequem die Kamera festzuhalten oder fühlt es sich irgendwie „falsch“ an?

Die Kamera ist ein Werkzeug, sie muss zu Euch passen, sie darf nicht stören oder „unbequem“ wirken, denn wenn Ihr die Kamera nicht gerne in die Hand nehmt, nützt Euch eine teure Kamera mit vielen technischen Möglichkeiten gar nichts, weil ihr sie nicht mitnehmen werdet, um Fotos zu machen! Schaut Euch die Kamera einmal genau an:


Die Handykamera

Von vielen Fotografen immernoch belächelt und eher als Spielzeug abgetan, bieten die modernen Smartphones mit eingebauter Kamera eine erstaunlich gute Bildqualität, wen es um Schnappschüsse zwischendurch geht. Die Bilder stehen direkt zur Verfügung, können am Smartphone zum Teil noch ein wenig nachbearbeitet und korrigiert werden und bieten eine sehr gute und schnelle Möglichkeit schöne Erinnerungsfotos zu produzieren. Außerdem können die Aufnahmen sofort auf diversen social Media Plattformen wie facebook, instagram oder twitter geteilt, per Nachricht verschickt oder auch in online Speichern abgespeichert werden.

Die Einflussmöglichkeiten auf das Bild, die Linsenqualität und damit auch die Abbildungsqualität und Verzeichnung, die Tiefenschärfe, die Belichtungszeit, die Art der Belichtungsmessung, etc. sind allerdings die große Schwäche dieser Kameras. Die Automatiken bieten gute Schnappschüsse, aber auch moderne Automatiken machen häufig Fehler, schätzen die Situation falsch ein und machen am Ende zwar ein schönes Bild, aber können eben nicht das festhalten, was Ihr gesehen habt. Eine Automatik kann halt keine Gedanken lesen.

Trotzdem bieten Handykameras inzwischen eine echte Alternative zu den einfachen Kompaktkameramodellen, wenn es um Schnappschüsse und schnelle Erinnungsfotos geht, denn es gilt in der Fotografie immer: „Das beste Bild, ist das Bild, das Ihr habt. Nicht das, was ihr hätten machen können, wenn ihr eine Kamera dabei gehabt hättet!“


Die Kompaktkamera

Der Markt für Kompaktkameras ist in den letzten Jahren beständig kleiner geworden, nicht zuletzt weil die Handykameras und die Kompaktkameras sich eine sehr ähnliche fotografische Ausrichtung teilen. In beiden Fällen handelt es sich meist um Schnappschüsse und Erinnerungsfotos, hier gewinnt dann jedoch meist das Handy wegen der direkten online Anbindung.

Die integrierten Automatiken und Motivprogramme (z.B. Sport, Portrait, Landschaft, etc.) sind ebenfalls gut geeignet, um gute und schöne Fotos zu machen. Kompaktkameras bieten den großen Vorteil, dass Sie klein und handlich sind und dennoch eine sehr anständige Qualität bieten. Gegenüber der Handykameras verfügen Kompaktkameras über bessere, optische Systeme (Linsen) und Zoom Objektive und sind damit in ihrer Einsatzmöglichkeit flexibler und feiner zu steuern.

Während niedrigpreisigere Angebote eher auf den Vollautomatik oder Motivprogramm (Landschaft, Portrait, Sport, etc.) ausgelegt sind, sind teurere Modelle bereits mit technischen Möglichkeit ausgestattet die Blende und die Belichtungszeit manuell zu steuern (P. S. TV, A. AV, M). Schwächen zeigen diese Kameras häufig in der Geschwindigkeit, der Fokusierung und auch in der Tiefenschärfe, also der Schärfenwirkung des Bildes in der Tiefe der Abbildung. So werden beispielsweise sehr weitläufige Landschaften nicht durchgängig scharf dargestellt.

Ein großer Unterschied zu den größeren Bridge- oder Systemkameras und auch zu den Spiegelreflexkameras ist die Bedienbarkeit. Die kompakte Bauweise zwingt die Hersteller und damit auch den Benutzer dazu, viele Einstellmöglichkeiten auf das Display und somit in die Menüführung der Kamera zu legen, dieser Zwang zur Menüsteuerung verlangsamt die Bedienung der Kamera und kann dazu führen, dass man ein Motiv nicht mehr einfangen kann, weil man zu lange in den Untermenüs die richtigen Einstellungen treffen musste.

Leider werden die Kompaktkameras häufig nicht mehr mit Suchern ausgestattet, so dass man über das Display arbeiten muss. Gerade bei starkem Sonnenschein und Einspiegelungen auf dem Display kann es hier manchmal schwierig werden. Das Motiv wird nicht richtig erkannt, die Bildränder können nicht so exakt beachtet werden und man neigt schneller dazu die Kameras schief zu halten.


Die Bridgekameras

Für alle Fotografen, die mehr machen möchten, als eine Kompaktkamera bietet, bieten sich die Bridgekameras an. In Ihrer Bauweise sind sie häufig einer Spiegelreflexkamera nachempfunden. Sie sind weniger kompakt gebaut, bieten auf Grund ihres Aufbaus mehr „Shortcuts“ (also Tasten auf dem Gehäuse) und damit eine schnellere Bedienung der Einzelnfunktionen, die wichtigsten Funktionen und Unterpunkte können so direkt angesteuert werden, während man die Kamera noch vorm dem Auge und sein Motiv im Blick hat. Bridgekameras bieten heute sehr gute Bildqualitäten und auch im Objektivbereich stehen Sie den höherwertigeren Spiegelreflexkameras – zumindest in den Standardobjektiven – nicht mehr unbedingt nach.

Anders als bei vielen Kompaktkameras, verfügen diese Modelle häufig über einen Sucher, zumeist handelt es sich um einen elektronischen Sucher, der ein kleines Monitorbild anzeigt. Das Motiv muss also nicht mehr über den Monitor gewählt werden, was die Kamerahaltung, den Motivblick und bei sehr hellen Lichtverhältnissen auch die Motivsichtbarkeit verbessert, denn gerde mit der Sonne im Rücken kann man auf Kameramonitoren wegen der Spiegelung nicht immer sein Motiv richtig erkennen.

Je nach Kamerahersteller und Qualität kann dieser Monitorsucher direkt vor dem Auge sehr unangenehm sein, wenn beispielsweise die Beleuchtung des Monitors zu hell ist, dann blendet er das Auge und es ist nicht angenehm darauf zu sehen. Auch das Flackern dieser kleinen Monitoren wird schnell als störend empfunden. Ein weiteres Problem bei dieser Art von Kameras ist der Akkuverbrauch, der elektronische Sucher verbraucht Strom und die erweiterten technischen Möglichkeiten benötigen ebenfalls Strom, denn jede Veränderung in der Kamera muss elektronisch umgesetzt und vom Prozessor der Kamera berechnet werden. Daher empfehle ich bei diesen Modellen grundsätzlich einen zweiten Akku, denn nichts ist ärgerlicher, als wenn Euer Akku beim Fotografieren einfach aussteigt.

Der Vorteil dieser Kameras liegt meist im Preis, da Spiegelreflexkameras mit einer ähnlichen Ausstattung meist noch deutlich hochpreisiger anzusetzen sind. Die kompaktere Bauweise einer Bridgekamera bietet gerade auf Reisen Vorteile beim Transport. Bridgekameras sind also ein idealer Reisebegleiter und ermöglichen dem Fotografen schon viele Einflussmöglichkeiten.


Die spiegellosen Systemkameras

Gerade in den letzten Jahren wurden diese Kameramodelle immer interessanter, denn sie vereinen die meisten Vorteile einer kompakten Bauweise und der technischen Möglichkeiten einer professionellen Spiegelreflexkamera. Anders als bei den Kompaktkameras oder Bridgekameras könnt Ihr bei diesen Kameramodellen die Objektive austauschen und damit Eure Kamera individuell an Eure Bedürfnisse und Eure Fotoart anpassen.

Die Auswahl an Objektiven hat sich in den letzten Jahren auch imme weiter verbessert und ausgebaut, so dass die spiegellosen Systemkameras auch für den ambitionierten Amateurfotografen oder sogar für einige professionelle Anwendungen überaus interessant geworden sind. Allerdings bietet der Markt für diese Kameras bisher nur bei den Objektiven der Originalhersteller eine umfassende Auswahl. Drittanbieter wie Sigma oder Tamron, die für die meisten Spiegelreflexkameras alternative Objektive anbieten, sucht man bei den Systemkameras häufig noch vergebens.

Ähnlich wie ihre kleinen Schwestern, die Bridgekameras, funktionieren die Systemkameras mit einem elektronischen Sucher, welcher das Monitorbild an Euer Auge weiterleitet und im Grunde nichts anderes ist, als ein verkleinerter Monitor. Was zu den beschriebenen Problemen führen kann und nicht immer optimal ist. Diese Sucherart bietet jedoch auch einen entscheidenden Vorteil, da sie das Sucherbild nicht „Live“ durch das Objektiv, sondern als berechnetes Computerbild darstellt, können bereits verschiedene Kameraeinstellungen bei der Darstellung des Sucherbildes mit einberechnet werden. So werden häufig Weißabgleichswerte, Belichtungsmesswertveränderungen, Überbelichtung und Unterbelichtung, Tiefenschärfenveränderungen bei veränderter Blende und auch Belichtungszeiten bereits berechnet und so das „fertige“ Bild simuliert, was das Arbeiten mit der Kamera gerade in den Anfängen sehr erleichtert. Doch auch hier ist und bleibt die Akkulaufzeit ein Problem der Systemkameras, also auch hier den zweiten Akku nicht vergessen.

Interessant sind die Spiegellosen Kameras in jedem Fall, wenn es um Verschlussgeschwindigkeit und auch Lautstärke geht. Da der Spiegelschlag wegfällt, entfällt auch das Geräusch und die Zeit, die der Spiegel braucht, um hochzuklappen. Viele Systemkameras arbeiten – sofern man diese Funktion nicht deaktiviert – für Reihen- / Serienaufnahmen mit einem elektronischen Verschluss und nicht mehr mit dem klassischen Verschlussvorhang. Da auch diese mechanische Bewegung des Vorhangs wegfällt, können deutlich schnelle Serienaufnahmen gemacht werden. Gerade für Sportaufnahmen oder generell für alle Fotogelegenheiten mit schnellen Bewegungsabfolgen, ist diese Funktion eine wirkliche Arbeitserleichterung.

Die eingebauten Automatiken und Motivprogramme sind für Schnappschüsse mehr als ausreichend und bieten bei den ersten Gehversuchen mit der neuen Kamera eine schöne Möglichkeit seine Kamera ersteinmal kennenzulernen und trotzdem noch das eine oder andere gute Bild zu machen. In den manuellen Einstellmöglichkeiten von Belichtungszeit, Blende und Co. (P, S, TV, A, AV, M) stehen diese Modelle den Spiegelreflexkameras in nichts mehr nach. Im Gegenteil, einige Hersteller bieten sogar noch ein paar schöne Zusatzspielereien, die man bei einer Spiegelreflexkamera vergeblich sucht. Teilweise werden beispielsweise die Brennweiten in den Sucher eingespiegelt, so dass man immer genau weiß auf welcher Brennweite das Objektiv gerade steht, eine Information die für das Ermitteln der sogenannten Handauslösegrenze nicht ganz unwichtig ist.

Spiegellose Systemkameras sind eine sehr gute Einstiegsmöglichkeit in den Semi-Professionellen Bereich, für den Hobbyfotografen, der einfach nur ein paar schöne Urlaubsbilder und vielleicht ein paar nette Bilder von seiner Familie, auf Feiern oder ähnliches machen möchte, würde ich jedoch eher die Bridgekamera empfehlen. Die Systemkameras leben genauso wie die Spiegelreflexkameras vom Objektivwechsel und der individuellen Anpassung der Kamera an die Situation und die Fotografie-Art. Auch im professionellen Bereich haben sie bereits ihren Platz eingenommen und werden diesen vermutlich noch weiter ausbauen, ob sie jedoch den Spiegelreflexkameras den Rang ablaufen können, wird sich erst noch zeigen müssen.

Hier entscheidet manchmal auch eher die Haptik der Kamera über die Kaufentscheidung, denn diese Modelle versuchen einen Spagat zwischen Kompaktheit und Professionaliät, dabei bleibt die Griffigkeit leider häufig auf der Strecke. Sie sind klein, kompakt und leicht, das macht sie schwieriger zu halten, instabiler beim festhalten und manche wichtige Einstellungen kann man nicht vorm Auge machen, weil man wegen der Gehäusegröße die Knöpfe mit einer normal großen Hand und normal großen Fingern nicht erreichen kann, ohne gleich mehrer Knöpfe zu bedienen.


Die Spiegelreflexkamera

Die klassische Bauweise einer Spiegelreflexkamera ist verhältnismäßig groß, wobei man auch hier unterscheiden muss zwischen professionellen und semi-professionellen Kameramodellen, die professionellen Kameramodelle sind in der Regel auch mit einem größeren Gehäuse ausgestattet. Spiegelreflexkameras bieten auf Grund dieser großen Bauweise und der großen Anzahl an Wechselobjektiven und weiterm Zubehör, die beste Möglichkeit die Kamera auf die jeweiligen Bedürfnisse des Fotografen anzupassen, sie wiegen zwar etwas mehr, liegen jedoch auch sicherer in der Hand.

Ausserdem sind die Abbildungsqualitäten gerade bei den hochpreisigeren Vollformat-Modellen, den kleineren Sensoren deutlich überlegen, die man in Handy-, Kompakt-, Bridge- und zum größten Teil auch in den Systemkameras findet. Das Vollformat ist allerdings für die meisten ambitionierten Amateure und Hobbyfotografen eher etwas, das sie nicht zwingend brauchen. Im professionellen Bereich ist es allerdings ein Standard, der man liefern muss!

Die größte Stärke dieser Kameras ist ihre Flexibilität und auch Ihre Langlebigkeit, denn auch wenn Sie Ihre Kamera eines Tages technisch ausgereizt haben, so haben Sie in vielen Fällen die Mögichkeit die bereits vorhandenen Objektive auch auf einem neuen, vielleicht sogar auf einem technisch hochwertigeren Kamerabody weiterzuverwenden. Die Objektivanschlüsse ändern sich nicht so häufig und haben sich in den letzten Jahrzehnten nicht verändert.

Der Sucher eine Spiegelreflexkamera ist auch gleichzeitig das, was sie von allen anderen Modellen unterscheidet, denn der Sucher zeigt ein echtes Livebild, also das was Ihr mit Eurem Auge seht, wird auch auf dem Sucher angezeigt. Es handelt sich um eine TTL-Ansicht („thru the lens“), also ein echter Blick durch das Objektiv, nur halt umgeleitet über den Spiegel und das Pentaprisma ins Okkular des Suchers. Keine Simulationen und kein Monitorbild, das spart Energie und ist für das Auge deutlich entspannter und weniger anstrengend. Diesen Aspekt merke ich in meinen Kursen immer bei schwierigen Lichtverhältnissen, Dämmerung oder Nachtfotografie. Das Auge gewöhnt sich an das wenige Licht, die Pupille ist weit geöffnet und in dem Moment wo wir dann durch den elektronischen Sucher einer Systemkamera auf einen beleuchteten Monitor schauen, werden wir leicht geblendet. Außerdem werden durch die fehlenden Simulationen die Akkus der Spiegelreflexkameras deutlich weniger beansprucht.

Moderne Spiegelreflexkameras bieten allerdings inzwischen einen digitalen „Live-View“, welcher das Sucherbild auf den Monitor bringen kann. Hierzu wird der Spiegel der Kamera hochgeklappt und der Sensor freigegeben. Der eigendliche Sucher der Kamera ist dann blind, aber man kann über den Live-View das Bild sehen, hier werden dann auch meist schon Simulationen für Tiefenschärfe, Belichtung, Belichtungsmessung, Weißabgleich, etc. in das Bild eingerechnet.